Rassepopularität ist eine Modeerscheinung

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Habt ihr auch oft den Eindruck, dass es immer bestimmte Rassen gibt, die gerade „in Mode“ sind? So sehe ich in den letzten Jahren zum Beispiel immer häufiger Australian Shepherds, Rhodesian Ridgebacks, Möpse oder Französische Bulldoggen. Ich habe mich schon immer gefragt, nach welchen Faktoren sich diese „Trends“ richten.

 

In einer aktuellen Studie haben Stefano Ghirlanda und Alberto Acerbi von der Stockholm University sowie Harold Herzog von der Western Carolina University untersucht, welche Faktoren die Popularität eine Hunderasse beeinflussen. Die Autoren der Studie haben die Popularität verschiedener Rassen bestimmt, indem sie die Anzahl der Registrierungen im American Kennel Club (AKC) zwischen 1926 und 2005 sowie die Schwankungen in der Registrierungsanzahl von einem Jahr zum anderen ermittelt haben.

 

Die erhaltenen Daten haben sie dann mit verschiedenen Verhaltensdaten korreliert (HIER kannst du eine genauere Beschreibung dieser Daten einsehen). Außerdem wurden die durchschnittliche Lebenserwartung der Rasse sowie verschiedene gesundheitliche Aspekte mit den Popularitätsdaten verglichen.

 

Die Autoren fanden keine Hinweise darauf, dass Rassen mit wünschenswertem Verhalten, längerem Leben oder weniger genetischen Erkrankungen populärer sind als andere Rassen. Im Gegenteil: Die Ergebnisse legen nahe, dass Hunderassen große Beliebtheit erlangen können, obwohl problematische Verhaltensweisen (beispielsweise Aggressionen gegenüber Menschen) gehäuft auftreten. Weiterhin zeigen die Resultate, dass populäre Rassen unter mehr Erbkrankheiten leiden, was darauf hindeutet, dass gesundheitliche Aspekte eine untergeordnete Rolle bei der Rasseauswahl darstellen. Erst in jüngster Vergangenheit zeichnet sich ein Trend ab, dass die Öffentlichkeit mehr auf die Gesundheit der Rasse achtet.

 

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In einer neueren Studie konnten die Autoren zudem zeigen, dass die Popularität einer Rasse für bis zu 10 Jahre ansteigt, wenn ein Vertreter dieser Rasse in einem Kinofilm mitgespielt hat. Je beliebter der Film in der ersten Woche nach dem Filmstart war, umso beliebter wurde auch diese Hunderasse in der folgenden Zeit. So wurden in den 10 Jahren nach Veröffentlichung der 10 meistbesuchten Hundefilme 800.000 Hunde der entsprechenden Rassen mehr registriert, als es von den Trends vor der Veröffentlichung erwartet werden würde.

 

Die beiden Studien zeigen, dass die Popularität einer Rasse vor allem auf Modeerscheinungen zurückzuführen ist. Erstaunlicherweise haben wesentliche Merkmale wie Gesundheit und Langlebigkeit oder unproblematisches Verhalten einer Rasse keinen positiven Einfluss auf deren Beliebtheit.

 

Referenzen:

Ghirlanda, S., Acerbi, A., Herzog, H., & Serpell, J. A. (2013). Fashion vs. function in cultural evolution: The case of dog breed popularity. PloS one, 8(9), e74770. (Link)

 

Ghirlanda, S., Acerbi, A., Herzog, H. (2014). Dog Movie Stars and Dog Breed Popularity: A Case Study in Media Influence on Choice. PLoS ONE 9(9): e106565. doi: 10.1371/journal.pone.0106565 (Link)

 

Bildnachweis:

„Dog“ von David Offf/Flickr unter CC

„Dalmatians Playing“ von Justin Otto unter CC

2 Kommentare

  1. Naja unproblematisches Verhalten hat ggf schon einen indirekten Einfluss auf die Beliebtheit. Schauen wir mal den Labbi an – der Allzeitenrenner im TV. Der wäre nicht so populär wenn er nicht ein allgemein „relativ“ leichtgängiger Zeitgenosse wäre.
    Die kleinen Hunde wie Mops und Fran. Bulli haben auch ein recht unkompliziertes Wesen (gut bei den Möpsen bin ich mir manchmal nicht so sicher … da die kann man bei falscher Erziehung auch versauen).
    Leider hat die Gesundheit und Langlebigkeit wirklich keinen Einfluss auf die Popularität aber das ist auch kein Wunder wenn Hunde oftmals nur Dekor mit 4 Beinen zu sein scheinen.

    • Klar, es gibt natürlich Rassen, auf die das nicht zutrifft (wie z.B. Labrador und Golden Retriever) – aber über alle beliebten Rassen hinweg, zeigt sich nicht, dass unproblematisches Verhalten generell die Beliebtheit bestimmter Rassen voraussagt. Die Autoren der Studie schreiben dazu:
      „For example, we found a negative correlation between popularity and trainability, and a positive correlation between popularity and separation problems, fear of other dogs, and aggression directed toward the owner. Only the negative correlation between popularity and the propensity to chase other animals (a common complaint among dog owners) agrees with the hypothesis that more popular breeds are better behaved. If anything, our results suggest that breeds can become popular despite problematic behavior, rather than because of good behavior.“

      In dieser Grafik ist das schön anschaulich dargestellt:
      http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0074770#pone-0074770-g002

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