Ist Bindung rasseabhängig?

Auch wenn sich eine konkrete Definition von „Bindung“ schwierig gestaltet, ist sich die Wissenschaft mittlerweile weitgehend einig, dass Hunde ein bindungsähnliches Verhalten gegenüber ihren Besitzer:innen zeigen. In Studien, in denen aufgrund moderater Stresssituationen das Bindungsverhalten aktiviert wird (zum Beispiel weil die Bezugsperson den Raum verlässt), zeigen Hunde ähnliche Verhaltensmuster wie kleine Kinder. Diese zwischenartliche Form der Beziehung gilt als einzigartig, da sie – im Gegensatz zur Eltern-Kind-Bindung – zwischen zwei nicht miteinander verwandten erwachsenen Individuen entsteht.

Ein Aspekt, der in diesem Forschungszweig bisher allerdings nicht betrachtet wurde, ist die Frage, ob sich das Bindungsverhalten bei unterschiedlichen Rassetypen unterscheidet. Während einige Rassen eher auf kooperative Fähigkeiten selektiert wurden, ist bei anderen Rassen eher eine selbstständige Arbeit gewünscht. Möglicherweise haben die verschiedenen Zuchtziele auch Auswirkungen auf die Bindungsmuster.

Vergleich kooperativer und selbstständiger Rassen

In einer aktuellen Studie haben Rita Lenkei und Kolleg:innen das Bindungsverhalten von Hunden, die kooperativen und unabhängigen Rassen angehören, im sogenannten „Strange Situation Test“ verglichen. In diesem Test wird der Hund unter anderem in einem unbekannten Raum allein gelassen und es gibt eine Begegnung mit einer fremden Person. 

Zu den getesteten kooperativen Rassen gehören u.a. Border Collie, Vizsla, Labrador und Mudi. Die selbstständigen Rassen im Test umfassen u.a. Dackel, Fox Terrier, Basset, verschieden Windhund- und Herdenschutzhundrassen.

Um das Verhalten der vierbeinigen Probanden zu beschreiben, verwenden die Wissenschaftler:innen ein Bewertungssystem mit drei Hauptfaktoren:

  • Bindung zum Besitzer
    (Wie nah hält sich Hund beim Besitzer auf?, Begrüßt Hund Besitzer beim Wiederkommen?, Spielt Hund in Abwesenheit des Besitzers mit fremder Person? u.ä.)
  • Angst in unbekannter Umgebung
    (Versteckt sich der Hund hinter dem Besitzer?, Steht Hund in der Abwesenheit des Besitzers an der Tür?, Zeigt der Hund in Abwesenheit des Besitzers Stresssignale wie zum Beispiel Bellen? u.ä.)
  • Akzeptanz der Interaktion mit einer unbekannten Person
    (Begrüßt der Hund die fremde Person freundlich? Hält er sich in der Nähe der fremden Person auf? u.ä.)

Keine Unterschiede zwischen Rassegruppen

In keinem dieser Faktoren konnte ein Unterschied zwischen den beiden Haupttypen der Arbeitsrassen festgestellt werden. Vermutlich sind die individuellen Unterschiede innerhalb einer Rassegruppe größer als die Effekte zwischen diesen Gruppen. Die Bindungsfähigkeit scheint also nicht durch das Zuchtziel beeinflusst zu sein, sondern stellt eine elementare Eigenschaft dar, die als Resultat der Domestikation gesehen werden kann. 


Referenz: Lenkei, R., Carreiro, C., Gácsi, M., & Pongrácz, P. (2020). The relationship between functional breed selection and attachment pattern in family dogs (Canis familiaris). Applied Animal Behaviour Science, 105231.

Vielen Dank an Mine von den Raketenhunden für das wunderschöne Foto <3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.