RelaxoPet – wirklich wirksam oder Marketinggedöns?

Relaxopet - wirklich wirksam oder Marketinggedöns?

 

Heute haben Beiträge zu RelaxoPet meine Facebooktimeline überflutet. Als fernsehloser Mensch habe ich mich ein wenig gewundert, warum dieses Gerät auf einmal in aller Munde ist. Die Lösung war einfach: Der Hersteller dieses „Soundmoduls“ hat gestern in der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ sein Produkt vorgestellt. Gut. Das erklärt einiges.

Für diejenigen, die gar nicht wissen, wovon ich eigentlich rede, erkläre ich mal kurz, worum es eigentlich geht.
RelaxoPet ist ein kleiner Lautsprecher, der Töne abspielt, die das Tier beruhigen sollen. Laut Homepage wird dabei das Unterbewusstsein des gestressten Tieres stimuliert, woraufhin es sich beruhigen soll. Laut Homepage sind die Tonfolgen und Frequenzen „exakt auf die jeweilige Tiergruppe abgestimmt“. Das Gerät gibt es für Hunde und Katzen, Pferde und Vögel.

 

Keine wissenschaftlichen Studien

 

Laut Homepage zeigen 97% der Hunde, bei denen RelaxoPet angewendet wurde, keinerlei Auffälligkeiten mehr bei einem stressendem Ereignis wie Gewitter oder Feuerwerk. Witzigerweise sind es zwei Stichpunkte weiter unten nur noch 95%. Da ist man sich selbst wohl nicht so sicher, wie die Ergebnisse aussehen. Außerdem gibt es „wissenschaftlich“ aussehende Graphen von „konformen Schwingungsfeldern“ (was auch immer das sein mag), die keinerlei Aussage haben, aber wichtig aussehen.

Ich hatte mir schon vor einigen Monaten die Homepage mal angeschaut und auch damals standen diese Zahlen so oder so ähnlich dort. Mit dem Verweis, diese Zahl würde auf Stressreduktionsanalytik u.a. durch veterinäre Blutuntersuchungen, Prüfberichten und Befunden basieren.

Da ich es ja immer genau wissen will, habe ich dem Social Media Team von RelaxoPet am 21. Januar 2018 auf Facebook folgende Nachricht geschrieben:

 

Guten Abend!
Auf eurer Homepage werbt ihr mit konkreten Zahlen von durchgeführten Studien. Sind diese Studien irgendwo wissenschaftlich publiziert? Und kann man die Daten einsehen?
Viele Grüße,
Marie Nitzschner

 

Als Antwort kam, dass es keine wissenschaftlichen Doppel-Blind-Studien gäbe, weil dies das Budget des Unternehmens sprengen würde. Zusätzlich wäre das Produkt dann als „Therapiegerät“ eingestuft worden, was den Vertrieb stark einschränken würde.

Da frag ich mich nur, wie man wissen will, welcher Sound für welche Tiergruppe passt, wenn man doch gar keine vernünftigen Studien durchgeführt hat. Und wie kommt man außerdem auf die 97% (oder wahlweise auch 95%) Stressreduktion? Und woher will man wissen, dass es sich bei dem Effekt nicht allein um eine konditionierte Entspannung handelt, die mit jedem beliebigen Ton möglich wäre und für die es kein teures Gerät benötigt? Aussagen darüber könnte man nur treffen, wenn man eben besagte Doppel-Blind-Studien durchführen würde. Ansonsten sind es einfach medienwirksame Behauptungen.

 

Fazit

 

Zur jetzigen (nicht vorhandenen) Studienlage und nach dem bisherigen Kontakt mit RelaxoPet kann ich nur zu einem Schluss kommen: Es handelt sich lediglich um Marketinggedöns, das sich die Auswirkungen von konditionierter Entspannung zu Nutze macht. Wie immer lasse ich mich gern eines Besseren belehren. Und ich halte es da wie mit jedem anderen Schwurbelkram auch: Wem’s hilft – schön. Wer das Geld dafür ausgeben will – von mir aus. Kann jeder machen, was er will. Den Anschein erwecken, es gäbe irgendeine wissenschaftliche Grundlage, halte ich allerdings für mindestens bedenklich.

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