Rund um den Hundeschlaf

Schlafender Hund

Wie viel Schlaf braucht ein Hund?

Menschen benötigen im Durchschnitt 7 Stunden Schlaf. Allerdings variiert dieses Bedürfnis enorm. Während einige bereits nach 5 Stunden leistungsfähig sind, brauchen andere 9 Stunden oder mehr, um sich fit zu fühlen. Hunde wiederum benötigen nochmal deutlich mehr Schlaf. Studien zeigen eine Schlafdauer bis zu 16 Stunden. Normalerweise verbringt ein erwachsener Hund 43-60% eines 24h-Zeitraumes schlafend.

Das liegt daran, dass der Hundeschlaf weniger tief und damit störanfälliger und weniger erholsam ist. Hunde befinden sich nämlich nur ungefähr 10 Prozent ihrer Schlafzeit im Tiefschlaf. Bis zu 20% des Tages verbringen sie dagegen mit Dösen. Dieses Dösen kann als eine Art leichter Schlaf betrachtet werden und stellt ein Zwischenstadium zwischen Schlaf und aktiver Wachheit dar.

Es ist also sehr wichtig, dass der Vierbeiner ausreichend Ruhephasen hat. Denn zu wenig Schlaf macht einen Organismus stress- und damit auch krankheitsanfälliger.

Faktoren, die den Hundeschlaf beeinflussen

Da der hündische Schlaf leicht durch äußere Einflüsse wie etwa laute Geräusche beeinflusst wird, hängt die Dauer des Schlafes ganz beträchtlich davon, wo der Vierbeiner die Nacht verbringt. Hunde, die im Haus beziehungsweise der Wohnung nächtigen, verbringen 80% der Nacht schlafend. Bei Hunden, die im Garten übernachten reduziert sich dieser Prozentsatz auf 70%. Hunde, die in einem nicht-umzäunten Gebiet schlafen, beträgt die Schlafdauer nur 60% der Nacht. Ähnlich wie wir Menschen schlafen unsere vierbeinigen Begleiter also in einer sichereren Umgebung besser.

Auch die Erlebnisse des Tages beeinflussen die Nachtruhe. Hunde schlafen mehr, wenn sie am Tag sehr aktiv waren. Dabei verändert sich das Schlafverhalten dahingehend, dass sie weniger dösten aber mehr Zeit im Tiefschlaf und REM-Schlaf verbachten.

Aber nicht nur die Aktivität an sich, sondern auch die Qualität einer sozialen Interaktion beeinflussen das Schlafverhalten (mehr dazu findest Du HIER).

Schlafstörungen beim Hund

Es gibt verschieden krankheitsbedingte Schlafstörungen, die bei Hunden auftreten können. Bei der Caninen Narkolepsie sind die Schlafphasen oft zerstückelt und es kommt zu häufigen Schlafattacken. Außerdem kann es zu einem emotionsbedingten kurzzeitigen Verlust der Muskelspannung – die sogenannte Kataplexie – kommen, ohne dass dabei das Bewusstsein getrübt wird. Narkolepsie bei Hunden kann genetische Ursachen haben und kommt besonders bei Dobermann und Labrador vor.

Schematische Abbildung einer kataplexischen Attacke bei einer Narkolepsie - Eine Schlafstörung, die auch bei Hunden auftreten kann
Schematische Abbildung einer kataplexischen Attacke bei einer Narkolepsie. Diese können durch positive Emotionen wie z.B. Futter ausgelöst werden.
Abbildung aus Mondino et al. 2021
(© Alejandra Mondino, mit freundlicher Genehmigung zur Nutzung)

Bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung bleibt die Hemmung der Motorik, die normalerweise in der REM-Schlafphase vorhanden ist, aus. Dadurch werden die Traumerlebnisse in heftige Bewegungen und Handlungen umgesetzt. Das kann sich sowohl in Lautäußerungen als auch Bewegungsmustern wie Rennen und sogar Beißattacken äußern. Die betroffenen Tiere sind dabei nicht bei Bewusstsein. Damit gibt es also eine erhebliche Selbst- und auch Fremdgefährdung.

Atemprobleme im Schlaf

Auch gibt es Störungen der Atmung während des Schlafens. Kennzeichnend hierbei ist ein lautes Schnarchen, das anatomisch bedingt häufig einen phasenweisen Mangel an Sauerstoff mit sich bringt. Die Hunde sind häufig sehr lustlos und schlafen extrem schnell ein und haben eine lange Schlafdauer. Besonders betroffen sind dabei kurzköpfige Rassen wie zum Beispiel die Englische oder Französische Bulldogge und der Mops sowie Cavalier King Charles Spaniels und Chihuahuas. In einer Umfrage unter Mops und French Bulldog-Halter:innen, deren Hunde kurz vor einer Operation der Atemwege standen, gaben 56% Schlafprobleme ihrer Hunde an.

  • Schlaf nur mit Kinn in erhöhter Position möglich (31%)
  • Schlafapnoe (Atemaussetzer) (27%)
  • Versuch, in sitzender Position zu schlafen (24%)
  • Erstickungsanfälle während des Schlafens (11%)
  • Schlaf nur mit geöffneten Mund möglich (6%)
  • fast bis gar nicht in der Lage zu schlafen (6%)

Veränderter Schlafrhythmus im Alter

Bei älteren Hunden kann es – wie bei älteren Menschen auch – zu einer Verschiebung des Schlaf-Wach-Rhythmus kommen. Hierbei schläft der Hund nachts weniger, hat generell einen reduzierten REM-Schlaf und schläft tagsüber mehr. Wenn der Schlafrhythmus völlig aus den Fugen gerät, kann das ein Anzeichen für das sogenannten Canine Kognitive Dysfunktionssyndrom sein. Dieses Syndrom ähnelt der Demenz beim Menschen. Weitere Infos zu diesem Syndrom gibt es HIER.

Außerdem können Schmerzen dazu führen, dass das der hündische Schlaf gestört wird. Eine Studie hat gezeigt, dass Hunde, die an schmerzhafter Arthrose leiden, deutlich ruhiger schlafen, wenn sie Schmerzmittel bekommen. In der Placebogruppe zeigte sich dieser Effekt weniger stark.

Schlaf und Lernen

Beim Menschen ist ausreichend Schlaf ein wichtiger Faktor, um neu Gelerntes im Gedächtnis zu festigen. Auch bei Hunden konnten Studien einen Zusammenhang zwischen Schlafqualität und Lernverhalten feststellen. Wenn die untersuchten Hunde nach eine Übungseinheit eine Ruhephase mit Schlaf hatten, lernten sie ein neues Kommando besser als Hunde, denen keine Pause gegönnt wurde. Diese Ergebnisse bestätigen also, dass Hunde nicht überfordert werden sollten und ausreichend Pausen benötigen, um erlernte Dinge verarbeiten zu können.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass verschiedene Faktoren einen Einfluss auf den Schlaf haben. Neben den biologischen Faktoren wie zum Beispiel dem Alter oder der Rasse, spielen verschiedene Umweltfaktoren eine Rolle bei der Schlafqualität. Dabei beeinflussen nicht nur die Erlebnisse des Tages, sondern auch der Standort des Körbchens die Intensität und Dauer des Hundeschlafes. Ausreichend Ruhe- und Schlafphasen ermöglichen ein optimales Lernen und begünstigen ein gesundes und stressfreies Hundeleben.


Weitere Beiträge zum Thema


Referenzen:

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