Warum spielen Hunde?

John Bradshaw und seine Kolleginnen von der Universität Bristol gehen in ihrem neuesten Artikel der Frage nach, warum erwachsene Hunde spielen. Dabei fassen sie die aktuelle Literatur zum hündischen Spielverhalten zusammen.

Während Spielverhalten bei Jungtieren in vielen verschiedenen Tierarten beobachtet werden kann, ist ein ausgeprägtes Spielverhalten bei erwachsenen Tieren eher ungewöhnlich. Es wird angenommen, dass die erhöhte Verspieltheit bei erwachsenen Hunden durch die Selektion auf Neotenie (=Beibehaltung jugendlicher Merkmale im Erwachsenenalter) entstanden ist. Allerdings kann man diese Hypothese noch nicht vollends bestätigen, da es fraglich ist, ob auch bei wildlebenden Hunden eine erhöhte Spielbereitschaft auftritt oder diese Beobachtung auf Haushunde beschränkt ist.

In der Literatur wird meist zwischen alleinigem, nicht-sozialem Spiel (zum Beispiel mit einem Spielzeug) und sozialem Spiel (mit einem Partner) unterschieden.

Während das nicht-soziale Spiel mit einem Gegenstand vermutlich aus dem Beutefangverhalten entstanden ist, scheinen beim sozialen Spiel verschiedene Mechanismen eine Rolle zu spielen.

 Spiel_Pika

Das gemeinsame Spiel mit dem Menschen ist kooperativer

Wenn ein Spielzeug involviert ist, gibt es Unterschiede, ob ein Hund mit einem Artgenossen oder mit einem Menschen spielt: Wenn ein Hund im Besitz eines Spielzeuges ist, überlässt er es häufiger dem Menschen als einem anderen Hund. Wenn zwei Spielzeuge im Raum sind, interessiert sich der Hund mehr für das Spielzeug, das der Mensch in der Hand hält, als eines, das vom Menschen unbeachtet bleibt. Demgegenüber wird ein Hund eher das verbleibende Spielzeug nehmen, wenn das andere Spielzeug im Besitz eines anderen Hundes ist. Aus diesen Beobachtungen lässt sich schließen, dass es bei dem interspezifischen Spiel (Hund-Mensch) eher um die Interaktion an sich geht, während es in dem intraspezifischen Spiel (Hund-Hund) eher um den Besitz des Spielzeuges geht. Also scheint die Hund-Mensch-Interaktion kooperativer zu verlaufen, als das Hund-Hund-Spiel. Selbst im direkten Stärkevergleich – einem Zerrspiel mit dem Menschen – scheinen die meisten Hunde die Situation nicht als „Dominanz“-Wettbewerb zu betrachten. Vielmehr empfinden sie das „Gewinnen“ des Objekts während des Spiels scheinbar als belohnend, denn es steigert ihre Spiellaune.

 Hundespiel

Spiel dient dem sozialen Zusammenhalt

Aber auch untereinander dienen spielerische Auseinandersetzungen wahrscheinlich eher dem sozialen Zusammenhalt als der Etablierung von Dominanz. So spielen Hunde länger miteinander, wenn sie schon zuvor gemeinsam gespielt haben und bestimmte „Regeln“ untereinander ausgemacht haben. Selbst wenn sie nicht selbst am Spiel teilnehmen, können sie durch Beobachtung einer Spielsituation relevante soziale Informationen herausfiltern und sind geneigter sich dem „Gewinner“ des Spiels anzunähern.

 

Gemeinsames Spiel hat eine bindungsstärkende Wirkung

Spiel ist ein wichtiger Faktor im sozialen Leben eines Hundes und das Spiel zwischen Hund und Hundeführer hat einen hohen belohnenden Wert. Gemeinsames positives Spiel senkt den Stresslevel, erhöht den Ausstoß an „Glückshormonen“ (u.a. Oxytocin, Beta-Endorphin und Dopamin) und hat eine bindungsstärkende Wirkung.

Die Form und Häufigkeit des gemeinsamen Spiels kann auch ein Indikator für die Qualität der Hund-Mensch-Beziehung sein.

Also: Let’s play!



Referenz:

Bradshaw, J.W.S., Pullen, A.J. & Rooney, N.J., Why do adult dogs ‘play’? Behav. Process. (2014), http://dx.doi.org/10.1016/j.beproc.2014.09.023

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