Die Macht der sozialen Verstärker – Teil 1

Lob oder Leckerli?

Hunde sind soziale Lebewesen – das sollte hoffentlich niemand bestreiten. Als solche sind sie darauf angewiesen, dass ihre Sozialpartner ihnen wohlgesonnen sind. Für viele Hunde sind wir Menschen der wichtigste soziale Bezugspunkt. Unsere soziale Zuwendung erfüllt demnach ein grundlegendes Bedürfnis. Ebenso erfüllt Futter ein grundlegendes Bedürfnis. Die Frage ist nun, ob Lob oder Leckerli sinnvollere Verstärker sein können – und ob es überhaupt eine allgemeingültige Aussage gibt.

Cook et al. (2016) haben genau das in einer zweiteiligen Studie untersucht.

Zunächst wurden den Hunden in einer Trainingsphase drei verschiedene Objekte für jeweils 10 Sekunden gezeigt (siehe Video). Auf jedes dieser Objekte folgte eine andere Belohnung: Auf ein Spielzeugauto folgte verbales Lob, auf ein Pferd folgte ein Stück Futter und auf eine Haarbürste folgte nichts. Insgesamt wurde jede Objekt-Belohnungs-Kombination während des Trainings 60 mal präsentiert. Die Hunde sollten also mittels klassischer Konditionierung eine klare Erwartungshaltung haben, welche Belohnung (oder eben nicht) auf die jeweiligen Objekte folgen.

Hirndaten

Daraufhin wurde in einem funktionellen Magnetresonanztomographen gemessen, wie hoch die Aktivität in einem bestimmten Kernbereich der Belohnungsverarbeitung ist, wenn sie die Objekte sehen.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass bei 13 der 15 der Probanden eine gleiche oder sogar stärkere Aktivierung als Reaktion auf verbales Lob stattfand als auf das Futter (Abb. 1 rechts).

Abbildung 1 (aus Cook et al. 2016)
Die blau umrandeten Hunde sind diejenigen, die im Wahltest (links) deutlich häufiger die Futterschüssel (graue Blöcke) wählen als ihre Bezugsperson (schwarze Blöcke). Bei diesen zeigt auch die Messung der Hirnaktivität einen höheren Ausschlag in einem bestimmten Kernbereich des Belohnungszentrums, wenn sie Futter erwarten als wenn sie Lob erwarten (rechtes Bild.) Bei den Hunden im orangefarbenen Kästchen gibt es hingegen eine höhere Hirnaktivität in Erwartung des sozialen Lobes (rechts). Diese Hunde wählen auch im Wahltest relativ häufig die Bezugsperson. Bei allen anderen Hunden scheint es keine Präferenz zu geben.

Verhaltenstest

Im zweiten Teil des Versuches konnten die Hunde wählen, ob sie zu einer Futterschüssel oder zur Bezugsperson laufen (Abb. 2). Hier zeigt sich, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen den gemessenen Hirndaten und dem Verhalten in diesem Wahltest gibt (Abb. 1 links).

Abbildung 2 (aus Cook et al. 2016)
Aufbau des Wahltestes. Links befindet sich die Futtersschüssel, rechts die Bezugsperson. Wählt der Hund links, darf er das Futter fressen, wählt er rechts, bekommt er soziale Zuwendung.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass es sehr deutliche individuelle Unterschiede gibt, ob ein Hund Lob oder Leckerli besser findet. Allerdings scheint bei 87% der untersuchten Hunde soziale Zuwendung mindestens den gleichen Belohnungseffekt zu haben wie Futter.

Referenz:
Cook, P. F., Prichard, A., Spivak, M., & Berns, G. S. (2016). Awake canine fMRI predicts dogs’ preference for praise vs food. Social cognitive and affective neuroscience11(12), 1853-1862. (Studie frei zugänglich)


Teil 2: WIE oder WAS?


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