Kognitives Altern und Demenz bei Hunden

Alter Hund

 

Meine Mira ist jetzt 10 Jahre alt und ich merke in manchen Situationen, dass sie etwas tüddelig wird. Bis zu welchem Grad ist das normal und ab wann deuten die Anzeichen auch eine Demenz beim Hund hin? Ein aktueller Fachartikel gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand. Dieser Beitrag fasst den Artikel in Kurzform zusammen:

Dass bestimmte kognitive Kapazitäten im Laufe des Lebens abnehmen, ist sowohl beim Hund als auch beim Menschen normal. Es gibt mittlerweile auch eine größere Anzahl an Studien, die verschiedene Alterungsprozesse beim Hund betrachten. Ähnlich wie beim Menschen kommt es bei Hunden zu einer Abnahme der Lernleistung, die Gedächtniskapazität lässt nach und die Kontrolle und Bewertung sowie eine flexible Steuerung kognitiver Prozesse nimmt ab.

 

Auf welche Symptome muss ich achten?

 

Für Hundebesitzer ist es wichtig zu erkennen, wann bestimmte Alterserscheinungen beim Hund vom normalen Alterungsprozess abweichen. Ein verhaltensneurologische Krankheitsbild, dass Hunde ab ungefähr 8 Jahren betreffen kann ist das sogenannten Canine Kognitive Dysfunktionssyndrom (Englisch: Canine Cognitive Dysfunction, Abkürzung: CCD). Dieses Syndrom könnte man auch als Demenz beim Hund bezeichnen. Das Krankheitsbild ist charakterisiert durch eine fortschreitenden Abbau bzw. Funktionsverlust der Nerven in der Großhirnrinde bzw. im Hippocampus, der zur Verminderung der kognitiven Fähigkeiten sowie zu auffälligen Verhaltensveränderungen führt. Folgende Verhaltensweisen deuten auf CCD hin:

 

  • Desorientierung
  • Abnahme sozialer Interaktionen
  • Änderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Erhöhte Ängstlichkeit
  • Änderung im Aktivitätslevel
  • Verlust der Stubenreinheit

 

Außerdem zeigen Hunde, die an dieser Krankheit leiden einen massiven Rückgang der Gedächtnisleistung sowie der räumlichen Orientierung. Sie zeigen häufiger zielloses Verhalten, reagieren weniger auf soziale Ansprache und zeigen Verhaltensänderungen, wenn sie allein gelassen werden.

Ein paar Beispiele, wie das aussehen kann, siehst du hier:

 

 

Über den Prozentsatz, wie viele Hunde von dieser Krankheit betroffen sind, sind sich verschiedene Wissenschaftler und Tierärzte nicht einig. Aufgrund fehlender einheitlicher Messmethoden (von diversen Fragebögen bis verschiedenen Verhaltenstests ist alles dabei – weitere Informationen zu den einzelnen Bewertungsmethoden findest du in der angegebenen Referenz), kommt es zu erheblichen Schwankungen. Während CCD nur bei ca. 1,9% der Hunde über 8 Jahre tierärztlich diagnostiziert wird, liegt der geschätzte Prozentsatz verschiedener Studien bei 14,2 – 22,5%.

Was kann man tun?

 

Laut verschiedener Studien können verschiedene Nahrungszusätze helfen, einer Demenz beim Hund vorzubeugen. So sollen Antioxidantien (Vitamin A und E), Liponsäure und Carnitin sowie Omega-3-Fettsäuren das Erkrankungsrisiko mindern, wenn sie schon im jüngeren Alter (ab ca. 6 Jahren) gegeben werden. Wenn die ersten Symptome des CCS bereits aufgetreten sind, können verschiedene Medikamente Milderung verschaffen (siehe Referenz). Diese sollte selbstverständlich nur nach Absprache mit dem Tierarzt verabreicht werden.

Zusätzlich kann ein Beschäftigungsprogramm, das physische Aktivität, soziale Interaktionen sowie kognitive Herausforderungen umfasst, die kognitiven Funktionen älterer Hunde erhalten oder sogar verbessern. Generell kann Aufmerksamkeitstraining während der gesamten Lebensspanne das kognitive Altern verzögern.

Also auch wie beim Menschen gilt: Wer sich geistig und körperlich fit hält und sich abwechslungsreich ernährt, hat bessere Chancen, gesund zu altern.

 


Referenz:

Chapagain, D., Range, F., Huber, L., & Virányi, Z. (2017). Cognitive Aging in Dogs. Gerontology.

 

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