Canine Science Forum 2016 – Zusammenfassung

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So, für alle Leser, die nicht bei Facebook sind, gibt es hier noch einmal die Zusammenfassung aller Tage des Canine Science Forums 2016 in Padua. Das zugehörige Programm findet ihr hier: http://www.csf2016.com/program.php

Tag 1:

 

Giorgio Vallortigara

Zunächst sprach Giorgio Vallortigara über die Asymmetry des Gehirns und warum das durchaus Sinn macht. Dazu stellte er auch ein paar Studien mit Hunden vor. Zum Beispiel fand er heraus, dass Hunde – je nachdem ob der dargebotene Stimulus positiv ist oder nicht – eher nach links bzw. nach rechts wedeln. Davon habt ihr vielleicht schonmal gehört. In einer neueren Studie hat er auch herausgefunden, dass Hunde auch auf die Richtung des Schwanzwedelns unterschiedlich reagieren. Es hat also eine kommunikative Funktion. (Ein Blogbeitrag dazu ist in Arbeit).

 

Mia Persson

Daraufhin stellte Mia Persson ihre Forschung mit Laborbeagles vor. Sie fand heraus, dass Sozialverhalten gegenüber dem Menschen vererbbar ist und das dass Gen SEZ6L  dabei eine Rolle spielt. Dieses Gen wird beim Menschen mit Autismus assoziiert. Eine aktuelle Studie von ihr findest du hier: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/gbb.12194/full

 

Màrta Gácsi 

Màrta Gácsi stellte die Frage, wie man die Schnüffelleistung von Hunde testen kann – es gibt nämlich bis dato keinen einheitlichen Test um die olfaktorischen Fähigkeiten zu testen. Sie und ihr Team haben einen Test entwickelt, der kein vorheriges Training erfordert. Sie haben Hunderassen, die für Spürarbeit selektiert wurden, kurzschnäuzige Rassen, Welpen und Wölfe verglichen und spannende Ergebnisse herausbekommen. Die erklär ich demnächst ausführlich in einem Blogbeitrag 😉

 

Natalia Albuquerque

Natalia Albuquerque sprach über das funktionelle Verständnis von Emotionen. Sie fand heraus, dass Hunde nicht nur Emotionen erkennen können (siehe Beitrag), sondern dass sie auch unterschiedlich auf die verschiedenen Bilder reagieren. So lecken sie sich mehr die Schnauze, wenn sie auf ein Bild mit aggressiver Ausdrucksweise ansehen.

Hunde erkennen unsere Emotionen

 

Péter Pongrácz

Den Vormittag schließt Péter Pongrácz mit seinem Vortrag zur Vokalen Kommunikation bei Hunden ab. Einige seiner Studien dazu stelle ich hier vor:

„Sprechen“ Hunde miteinander? – Teil 1

„Sprechen“ Hunde miteinander? – Teil 2

 

Friederike Range

Nach der Mittagspause ging es weiter mit Friederike Range. Sie ging der Frage nach, inwieweit der Mensch das Verhalten von Hunden während der Domestikation geformt hat. Das war ein seeer interessanter Vortrag mit vielen Gedankenanstößen. Das ist für diese Stelle einfach zu viel und ich werde diese Präsentation an anderer Stelle ausführlicher beschreiben.

 

Dennis Wormald

Außerdem sprach Dennis Wormald über Angst bei Hunden. Ehrlich gesagt, hab ich den Vortrag nicht so richtig verstanden. Mein Fazit wäre: Hunde mit Angststörungen haben mehr Angst. Hm, keine Ahnung, ob es wirklich das war, was er sagen wollte. Das wäre zumindest kein überraschendes Ergebnis 😉 Bei Gelegenheit werde ich mir mal seine Publikation anschauen und bin danach vielleicht schlauer: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0168159116300648

 

Nadja Affenzeller

Nadja Affenzeller hat untersucht, inwieweit sich Spiel nach dem Training auf das Gedächtnis auswirkt. Sie hat herausgefunden, dass eine Spielphase nach dem Training die Gedächtnisleistung am nächsten Trainingstag verbessert (im Vergleich zu einer Ruhephase nach dem Training).

 

Attila Andics

Attila Andics hat mal wieder einen sehr interessanten Vortrag über seine Erkenntnisse zu neuronalen Prozessen gehalten. Er hat die neuronalen Mechanismen untersucht, die einen verbalen Lob folgen. Er hat herausgefunden, dass Hunde die relevanten Worte in der linken Hemisphäre verarbeiten, aber Signale mit lobender Intonation in der rechten Hemisphäre (unabhängig von der Wortbedeutung). Eine Reaktion im Belohnungszentrum wird allerdings nur ausgelöst, wenn sowohl die Wortbedeutung als auch die Intonation zusammenpassen. Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt auf die zugehörige Publikation.

 

Peter Sandoe

Peter Sandoe ist in seiner Präsentation der Frage nachgegangen, warum Menschen kleine Hunde mit extremen Aussehen mögen. Ja, das hab ich mich auch schon öfter gefragt…

Er hat die Motivation für die Anschaffung von Französischen Bulldoggen, Chihuahuas, Cavalier King Charles Spaniels und Cairn Terriers untersucht. Seine Ergebnisse zeigen, dass die Motivationen zwischen den Rassen sehr variabel sind. Zum Beispiel priorisieren Besitzer von Französischen Bulldoggen und Chihuahuas nicht, dass die Hunde in Zukunft eine gute Gesundheit haben. Die Besitzer dieser beiden Rassen reagieren im Gegenzug sehr emotional auf die Frage, ob sie alles für ihren Hund tun würden. Das extreme Aussehen scheint also auch eine besonders emotional empfundene Beziehung hervorzurufen. Ich bin mir nicht sicher, wie das zusammenpasst. Auch hier freue ich mich sehr auf diePublikation und werde das dann sicher noch zu einem Beitrag verwursten.

Den letzten beiden Vorträgen konnte ich ehrlich gesagt nur passiv folgen – mein Konzentrationskontingent war für den Tag aufgebraucht 😉

Tag 2:

 

Pier Francesco Ferrari

Der zweite Tag ging los mit Pier Francesco und der Neurobiologie von Empathie. In seinem Vortrag ging es nicht speziell um Hunde, sondern um eine allgemeine Einführung ins Thema. Er selbst arbeitet hauptsächlich mit Makaken. Als Empathie definiert er die  Fähigkeit, die Gefühle anderer zu verstehen. Er erklärt, dass dazu zwei Kanäle nötig sind: der emotionale Kanal (Gefühlsansteckung und der kognitive Kanal (Selbst-Fremd-Unterscheidung, Perspektivübernahme usw.)

Ferrari stellt das Konzept der Spiegelneuronen vor und führt aus, inwieweit diese eine Rolle im Zusammenleben sozialer Arten spielen. Wusstet ihr, dass Spiegelneuronen auch feuern, wenn man Dinge nur hört (zB Papier zerreissen)? Insgesamt war das ein sehr spannender Vortrag und ich habe wahnsinnig viel gelernt. Allerdings ist das alles ein bisschen zu kompliziert, um das hier mal eben zusammenzufassen 😉

Einen Einblick in seine Arbeit bekommt ihr zum Beispiel hier:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4172363/

 

Anna Scandurra

Anna Scandurra stellt eine Studie über den Einfluss von Kastration auf die räumliche Kognition vor. Sie stellt sowohl intakte, als auch kastrierte Rüden und Hündinnen eine Labyrinthaufgabe und misst, wie lange die jeweiligen Versuchsgruppe brauchen, um die Aufgabe zuverlässig korrekt zu lösen und wie viele Fehler sie dabei machen. Die Ergebnisse zeigen, dass intakte Hündinnen in der Aufgabe weniger Fehler machen als kastrierte Hündinnen. Kastration verschlechtert also bei Hündinnen die räumliche Orientierung. Bei Rüden gab es in diesem Versuch keinen Unterschied.

Dies ist die erste Studie, die zeigt, dass Kastration nicht nur Auswirkungen auf die Gesundheit, sondern auch auf die kognitiven Fähigkeiten von Hunden haben kann.

Anmerkung: Generell sollte Kastration immer eine Einzelfallentscheidung sein. Ein weiterer Faktor, warum man über die Notwendigkeit von Kastration nachdenken sollte:

Wie sinnvoll ist Kastration zur Krebsvorbeugung?

 

Sarah Marshall-Pescini:

Viele Studien zeigen, dass Hunde sich an den Menschen wenden, wenn sie eine Aufgabe nicht selbstständig lösen können. Wölfe tun das nicht:

Daraus wurde geschlossen, dass Hunde Hilfe beim Menschen suchen, während Wölfe die Aufgabe lieber selbstständig lösen. Sarah Marshall-Pescini stellt eine Studie vor, in der sie diese These hinterfragt: Sind Wölfe eventuell einfach ausdauernder in ihrem Problemlöseverhalten und schauen deswegen nicht zum Menschen?

Sie und ihre Kollegen haben Wölfe, Familienhunde, Streuner in Indien sowie ein Rudel in Gefangenschaft lebender Hunde in einer ähnlichen Aufgabe getestet wie in den beiden Videos oben und gemessen, wann die Tiere zum Menschen schauen. Die Ergebnisse zeigen, dass Wölfe wesentlich ausdauernder sind und länger versuchen die Aufgabe selbstständig zu lösen. Wenn man diesen Punkt in der Auswertung berücksichtig, zeigen sich keine Unterschiede in der Latenzzeit des Zurückblickens zum Menschen zwischen den Wölfen und den Hundegruppen. Je länger also das Tier den Apparat manipuliert, umso später schaut es zurück.

Familienhunde schauen insgesamt änger zum Menschen als alle anderen Gruppen.

 

Tamás Faragó:

Tamás Faragó hat untersucht, ob bestimmte Merkmale beim Jaulen ein Hinweis auf Trennungsangst sind. In dem Versuch werden die Hunde für 3 Minuten allein gelassen. Während diese Zeit werden verschiedene Verhaltensaspekte untersucht und alle Lautäußerungen aufgenommen. Im speziellen wurde dann das Jaulen auf das sogenannte nicht-lineare Phänomen (NLP; plötzliche Wechsel in der Frequenz) untersucht. Dieses NLP zeigt auch beim Menschen erhöhte Stresslevel an. Die Ergebnisse zeigen, dass das NLP im Jaulen von Hunden mit Trennungsangst öfter auftritt als bei „normalen“ Hunden. Möglicherweise könnte anhand dieser Ergebnisse ein Diagnosewerkzeug zu Erkennung von Trennungsangst entwickelt werden.

 

Meagan Scott:

Meagan Scott hat untersucht wie gut Menschen Hund-Hund-Interaktionen interpretieren können. Dazu zeigte sie verschiedenen Gruppen von Menschen mit unterschiedlicher Hundeerfahrung Videos von Hund-Hund-Interaktion.

Ihre Ergebnisse zeigen, dass die Versuchsteilnehmer vor allem Probleme damit hatten, Aggression zu erkennen (aggressives Verhalten wurde nur zu 23% richtig eingeschätzt). Außerdem kam heraus, dass der Grad der Vorerfahrung nicht entscheidend ist, wie gut eine Interaktion eingeschätzt wird. Interessanterweise können Tierärzte das gezeigte Verhalten nicht besser deuten, als Menschen, die nie einen Hund hatten.

(Anmerkung: Dieses Ergebnis ist eventuell auch mit Hinblick auf den §11 Tierschutzgesetz in Deutschland durchaus interessant!)

 

Kun Guo:

Kun Guo erklärt, wie Hunde Gesichter wahrnehmen.

Hunde können Menschen anhand von Bildern der Gesichter unterscheiden. Wie auch Menschen, haben Hunde eine Tendenz, die linke Gesichtshälfte mehr anzuschauen und sie schauen vor allem auf die Augenregion. Sie sind in der Lage, menschliche Emotionen anhand von Bildern unterscheiden. Mehr Infos hier:

http://hundeprofil.de/hunde-koennen-unsere-emotionen-lesen/ 

Außerdem können sie Informationen aus zwei verschieden Sinneskanälen ( akustisch und visuell) verknüpfen und in verschiedenen Emotionen kategorisieren:

Hunde erkennen unsere Emotionen

 

Pauleen Bennett:

Pauleen Bennett spricht über Faktoren, die die Hund-Mensch-Beziehung beeinflussen. Aufgrund der Fülle der Informationen, die dieser Vortrag enthielt, ist eine vollständige Zusammenfassung an dieser Stelle nicht möglich. Deswegen zähle ich nur stichpunktartig einige auf:

– Hunde, die nicht „ideal“ sind, werden öfter ins Tierheim gegeben als „ideale“ Hunde

– Viele wichtige Erfahrungen passieren, bevor der Hund ins neue Zuhause zieht

– Je niedlicher Besitzer ihre Hunde finden, umso enger empfinden sie die Beziehung

– Die Beziehung zum Hund wird als enger empfunden, wenn Besitzer alleinstehend sind

– Bindung zum Hund ist geringer bei Eltern mit jungen Kindern

– Menschen, die ihre Hunde öfter bei sich haben, leiden seltener unter Depressionen

Eine aktuelle Publikation von Pauleen Bennett und Kollegen findest du hier:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4348122/

 

Durga Chapagain:

Durga Chapagain untersuchte den Effekt des Alterns auf die Aufmerksamkeit von 183 Hunden über 6 Jahre. Dabei wurde zum einen die kontinuierliche Aufmerksamkeit gegenüber einem Menschen und einem Spielzeug untersucht (also wie lange die Hunden dem sich bewegenden Menschen bzw. Spielzeug Aufmerksamkeit schenken). Zum anderen wurde die selektive Aufmerksamkeit untersucht indem der Hund mit Hilfe des Clickers lernen sollte trotz Ablenkung dem Versuchsleiter in die Augen zu schauen.

Sie fand heraus, dass die kontinuierliche Aufmerksamkeit der Hunde mit dem Alter nachlässt, allerdings ist sie bei Hunden, mit denen im Leben viel trainiert wurden, deutlich höher als bei untrainierten Hunden.

Die selektive Aufmerksamkeit ändert sich mit dem Alter nicht, allerdings schauten die gut trainierten Hunde dem Versuchsleiter schneller in die Augen als weniger gut trainierte Hunde.

 

Tag 3:

 

Nastassja Rieder:

Nastassja Rieder stellt eine Studie vor, in der sie untersucht hat, ob Hunde indirekte Reziprozität zeigen. Sie hat dazu zunächst 13 Arbeitshunde der Schweizer Polizei trainiert, Futter für einen Sozialpartner heranzuziehen. In der darauffolgenden Beobachtungsphase beobachteten die Hunde dann, wie entweder ein kooperativer Hund Futter für einen Sozialpartner heranzieht oder ein nicht-kooperativer Hund das nicht tut. Daraufhin hatte der Beobachter die Möglichkeit selbst Futter für den kooperativen bzw. nicht-kooperativen Hund heranzuziehen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Beobachter öfter das Futter für den zuvor kooperativen Partner herangeziehen. Somit ist das ein erster experimentelle Hinweis darauf, das Hunde indirekte Reziprozität zeigen. ich bin gespannt auf die Publikation mit mehr Details.

 

Björn Forkman:

Björn Forkman testete 700 Hundewelpen in einem neu entwickelten Welpentest. Dabei wurden die Welpen in 11 verschiedenen Situationen beobachtet und ihr Verhalten dokumentiert. Außerdem wurden einige der Hunde mit 1,5 Jahren abermals getestet. Die Ergebnisse zeigen, dass es kaum Korrelationen zwischen den Testergebnissen des Welpentests und den Ergebnissen der Erwachsenen gibt. Damit untermauern die Resultate die Ergebnisse vorheriger Studien, die auch zeigten, dass man anhand von Welpentests kaum die Persönlichkeitsentwicklung eines Hundes vorhersagen kann.

 

Anna Gergely:

Anna Gergely spricht über die Ähnlichkeit, wie wir mit Kindern und Hunden reden. In ihrer Studie nahm sie in unterschiedlichen Situationen an Kinder, Hunde und Erwachsene gerichtete Sprache von Frauen und Männern auf und untersuchte die Merkmale. Sie fand heraus, dass sowohl Männer als auch Frauen mit einer höheren Frequenz mit Kindern und Hunden reden, als mit Erwachsenen. Insgesamt waren die Merkmale der Sprache zu Hunden und Kindern sehr ähnlich.

 

Udo Gansloßer:

Udo Gansloßer spricht über das Sozialverhalten von kastrierten Rüden im Vergleich zu intakten Rüden. In seinen Untersuchungen hat er herausgefunden, dass intakte Rüden mehr Imponierverhalten zeigen, als unkastrierte Rüden. Sie sind zudem mehr „sozial aktiv“, das bedeutet, es gehen von ihnen mehr Interaktionen aus.

Außerdem stellt er Daten vor, die nahelegen, dass kastrierte Rüden öfter Verhaltensauffälligkeiten haben. Allerdings war mir hier die Methodik und Statistik nicht klar und ich bin gespannt auf die Publikation, die dann hoffentlich Klarheit bringt. Selbiges gilt für die Daten, dass kastrierte Rüden je nachdem wann sie im Jahr kastriert wurden, unterschiedlich „sexuell belästigt“ (also das andere Rüden auf sie aufreiten) werden. Es bleibt spannend.

 

Simon Gadbois:

Simon Gadbois stellt verschieden Methoden vor, wie man Spürhunde für verschiedene Aufgaben ausbilden kann und erklärt deren Vor-Und Nachteile.

Simon erklärt an einem Beispiel seine favorisierte Methode: Zunächst lernen die Hunde in einer Ja/Nein-Prozedur, schwarzen Tee anzuzeigen. Hierbei wird dem Hund eine Geruchsprobe präsentiert. Wenn sie Tee enthält, berührt der Hund die Probe mit der Nase, wenn nicht, setzt er sich hin. Daraufhin wird die Tee-Konzentration immer weiter verringert, bis der Hund zum Schluss nur noch Proben von Tee-Atem erhält (also Wattepads, die von einen Menschen angehaucht wurden, der grad Tee getrunken hat). Ziel ist es, mit dieser Methode Diabeteswarnhunde auszubilden. Obwohl man bisher nicht weiß, wie genau Hunde die Unterzuckerung riechen, haben sie einen großen Nutzen für ihre Besitzer.

Einen interessanten Einblick in Simons Arbeit findest du hier:

http://www.retrieverpro.com/data/File/training/scent/Gadbois___Reeve_2014_for_website-libre.pdf

 

Anna Kis:

Anna Kis hat den „Early Career Scientist Award“ gewonnen und sie stellt vor, wie welche Rolle Oxytocin im hündischen Sozialverhalten gegenüber dem Menschen spielt. Sie geht dabei auf Studien aus drei verschiedenen Forschungsfeldern ein: Die Messungen von peripheren Oxytocinlevels in Blut und Urin, Assoziationen zwischen dem Polymorphismus im Oxytocin-Rezeptor-Gen (OXTR) und Sozialverhalten sowie der Verabreichung von Nasespray mit Oxytocin.

Auch dieser Vortrag war mit sooo vielen Informationen vollgepackt, dass ich hier nicht alle wiedergeben kann. Deswegen nur ein paar Stichpunkte:

– Hunde-Mensch-Interaktion erhöht bei beiden die Oxytocinlevel

– Unterschiede im OXTR sind mit Unterschieden in der Freundlichkeit gegenüber Menschen assoziiert

– Hunde lassen sich eher mit Gähnen anstecken, wenn sie vorher Oxytocin bekommen haben

– Hunde schauen länger auf glückliche Gesichter, wenn sie mit dem Oxytocinnasenspray behandelt wurden

Hier gibt es einige interessante Publikationen von Anna:

http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0083993

http://kutyaetologia.elte.hu/Pdf/publikaciok/2015/Hernadietal2015.pdf

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0018506X1400244X

 

Désirée Brucks:

Désirée Brucks stellt ihre Studie zur Inhibitionskontrolle vor und fragt, was war da eigentlich messen. In ihrer Studie hat sie  67 Hunde in 4 verschiedenen Aufgaben getestet, die unterschiedliche Bereiche von Impulskontrolle untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass keine test mit einem anderen korreliert ist. Das deutet darauf hin, dass Impulskontrolle beim Hund sehr stark kontextabhängig ist.

Ich finde diese Studie sehr interessant und bin auf die Publikation gespannt. Zumal ich mir Kollegen gerade an einem sehr ähnlichen Thema arbeite und wir auch ähnliche Ergebnisse gefunden haben. Sehr spannend 🙂

 

Iris Schöberl:

Iris Schöberl hat untersucht, inwiefern die Art des Besitzers, mit dem Hund zu interagieren Auswirkungen auf die physiologischen Werte in einer bedrohlichen Situation hat. Dazu hat sie sowohl die Herzrate (HR), als auch die Herzratenvariabilität (HRV) gemessen (als Maß für „Entspannung“). Im Test waren die Hunde entweder allein oder mit dem Besitzer anwesend in einem Raum, während ein Fremder den Raum betritt und ein paar Schritte auf den Hund zu geht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Herzrate in der bedrhlichen Situation höher war als danach. Zudem war die HRV nach der bedrohlichen Situation mit anwesenden Besitzer höher, als ohne anwesenden Besitzer. Außerdem legen die Ergebnisse nahe, dass die hunde von „freundlicheren“ Besitzern sich sicherer und freundlicher verhalten. Alelrdings bin ich mir an dieser Stelle nicht so sicher, wie die „Freundlichkeit“ der Besitzer getestet wurde. Deswegen freue ich mich auf die Publikation und mehr Details darüber 🙂

 

Tag 4:

 

W. Brown:

In ihrem Vortrag spricht Brown über die Nahrungszusammensetzung von freilebenden Hunden in Zimbabwe. Die meisten Hunde in den ländlichen Gegenden Zimbabwes haben zwar Besitzer, bewegen sich aber völlig frei. Somit können sie auch frei mit anderen interagieren und es gibt keine Kontrolle über die Fortpflanzung.

Die Ernährung der Hunde besteht hauptsächlich aus Aas (49%). Die Hunde beseitigen 60% des Aases und übertreffen damit sogar Adler. Der restliche Anteil der Nahrung setzt sich vor allen aus Sadza (22%, Getreidebrei) und menschlichen Fäkalien (21%) zusammen. Somit sind sie ein wichtiger Faktor um der Verbreitung von Krankheitskeimen vorzubeugen.

17% der Nahrung wird dabei vom Menschen aktiv zur Verfügung gestellt (hauptsächlich das erwähnte Sadza), den Rest besorgen sich die Hunde selbst. Es gibt nur sehr wenige Hinweise darauf, dass die freilebenden Hunde Beutetiere erlegen.

Eine Publikation dazu findest du hier:

https://www.researchgate.net/profile/Johan_Du_Toit/publication/242146376_Diet_of_free-ranging_domestic_dogs_(Canis_familiaris)_in_rural_Zimbabwe_implications_for_wild_scavengers_on_the_periphery_of_wildlife_reserves/links/0046351cc535758e73000000.pdf

Ich finde die Forschung an wildlebenden Hunden wahnsinnig faszinierend und sehr hilfreich, um auch unsere Familienhunde besser zu verstehen. Ich arbeite übrigens an einem Seminar zu diesem Thema – interessierte können sich das ja schonmal vormerken 😉

 

Theresa Rehn:

Theresa Rehn hat die Auswirkungen des Bindungstypen des Besitzers auf das Verhalten der Hunde in schwierigen Situationen untersucht. Der Bindungstyp des Besitzers wurde durch den sogenannten AdultAttachmentStyle-Fragebogen ermittelt. Die Verhaltenstests der Hunde umfassten unter anderem die Annäherung einer bedrohlichen Person und ein plötzliches lautes Geräusch. Die Autoren haben gemessen, inwieweit sich der Hund am Besitzer orientiert (sich in der Nähe aufhält, ihn anschaut usw.). Außerdem gab es einen Trennnungs-Wiedervereinigungs-Test, bei dem das Verhalten während der Trennung vom Besitzer und bei der Wiedervereinigung untersucht wurde.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Hunde je nach Bindungsstil des Besitzers unterschiedlich verhalten. Das legt nahe, dass Hunde in schwierigen Situationen verschiedene Verhaltensstrategien ausbilden, je nachdem wie viel Unterstützung sie von ihren Besitzern erfahren. Sobald die zugehörige Publikation erschienen ist, erfahrt ihr hier sicher mehr.

 

Borbála Turcsán:

Borbála Turcsán stellt den von ihr und ihren Kollegen entwickelten Persönlichkeitstest vor. Persönlichkeit beschreibt die individuell unterschiedlichen Verhaltensmuster, die über Zeit und Situationen stabil ist. Es gibt bereits zahllose Persönlichkeitstests, allerdings fehlt es nach wie vor an einer Standardisierung dieser Tests. Im sogenannten Vienna Dog Personality Test (VIDOPET) wird das Verhalten der Hunde in 15 verschiedenen Situationen beobachtet und ausgewertet. Bis dato hat sie 217 Border Collies mit dieser Methode getestet und 5 Persönlichkeitsdimensionen herausgefunden: Soziabilität-Gehorsamkeit, Aktivität – Unabhängigkeit, Neugier, Frustrationstoleranz und Problemorientierung.

Somit ist VIDOPET geeignet ist, um die Persönlichkeit eines Hundes (bzw. eines Border Collies) in diesen 5 Dmensionen einzuschätzen. Es bleibt nun abzuwarten, ob er auch geeignet ist, Hunde andere Rassen zu bewerten.

 

Luigi Boitani:

Luigi Boitani zählt zu den wichtigsten Experten, wenn es um die Ökologie von Wölfen geht. In seinem Vortrag stellt er die Situation des Zusammenlebens der Wölfe und Menschen in Europa vor. Er gibt einen Überblick über die aktuellen Daten der europäischen Wolfspopulation und stellt die neusten Verbesserungen im Populationsmanagment in verschiedenen Ländern vor.

Ursprünglich war der Wolf in ganz Europa verbreitet. Allerdings ist die Population aufgrund von Jagd deutlich zurück gegangen. Doch mittlerweile gibt es wieder 14.000 Wölfe in Europa. Damit sind es sogar mehr als in Nordamerika.

2013 gibt es zehn Hauptpopulationen: NW Iberian, Sierra Morena, Western-Central Alp, Italien penisula, Dinaric-Balkan, Carpathian, Central Europe lowlands, Scandinavian, Karelian, Baltic. Eine Übersichtskarte dieser Populationen findest du hier: http://www.lcie.org/Large-carnivores/Wolf-

Da der Wolf nicht besonders anspruchsvoll ist, gibt es hier laut Boitani jede Menge geeignete Habitate in Europa. Die einzigen Vorraussetzungen dabei: Der Wolf muss genug Futter finden und er sollte nicht erschossen werden. Während es in Deutschland im Jahr 2000 gerade mal einen Wolf gab, ist die Population mittlerweile auf 37 Rudel angestiegen. in Österreich hingegen wird nach wie vor jeder einwandernde Wolf abgeschossen. Generell gibt es für Wölf viele Gefahren. Eine davon ist zum Beispiel die Hybridisierung mit Haushunden. In Italien zum Beispiel gibt es nur 2-4 Wölfe pro hundert Quadratmeter, allerdings 1000-300 freilebende Hunde (die zwar oft einen Besitzer haben, aber sich frei bewegen). Wenn es zu Hybridisierungen kommt, dann meistens durch eine Wölfin, die sich mit einem Hunderüden paart.

Auch gibt es nach wie vor viele Konflikte im Zusammenleben zwischen Menschen und Wölfen. Allerdings gibt es laut Boitani keine einfache Lösung. Die Managementstrategie sollte immer an die lokalen Bedingungen angepasst werden.

Ich danke Luigi Boitani für den sehr interessanten und unterhaltsamen Vortrag! Falls du mehr über die Wölfe in Europa wissen möchtest, schau doch mal hier nach:

http://www.lcie.org

 

Shanis Barnard:

Lateralisierung von Bewegungen spiegelt die Asymmetrie in der Aufgabenteilung im Gehirn wieder.

Diese Lateralisierung des Gehirns hat auch Auswirkungen auf die Persönlichkeit und das Verhalten eines Individuums. Da in der rechten Hemisphäre vor allem negative Emotionen erzeugt werden, zeigen Individuen, die vorrangig diese Hirnhälfte nutzen öfter ängstliche und aggressive Reaktionen, während Individuen mit dominanter linker Hirnhälfte ruhiger und neugieriger sind (hier werden eher positive Emotionen erzeugt). Die Dominanz der Hirnhälften wird auch in motorischen Prozessen deutlich (bei Menschen zum Beispiel die Händigkeit, bei Hunden „Pfötigkeit“). Die Analyse, welche Pfote der Hund hauptsächlich benutzt, lässt Rückschlüsse darauf zu, welche Hirnhälfte besonders aktiv ist. In ihrer Studie nutzt Shanis den sogenannten „Kong-Test“. Hierbei bekommt der Hund einen befüllten Kong und es wird beobachtet, mit welcher Poft er den Kong „festhält“, während er ihn ausschleckt. Entweder, er benutzt vorrangig die linke oder recht Pfote oder aber auch beide Pfoten gleich oft. Die Daten aus diesem Kong-Test hat Shanis dann mit den Daten eine Persönlichkeits-Fragebogens verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass es zwischen links-und rechtspfotigen Hunden keine Unterschiede gab. Allerdings erzielten die Hunde, die beiden Pfoten benutzten höhere Werte in der Kategorie Verspieltheit/ Neugier. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass man die Lateralisierung als ein Indikator für die Ausprägung der Hundepersönlichkeit nutzen kann. Ich bin gespannt auf weitere Publikationen in diesem Feld.

 

 

 

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