Züngeln als Antwort auf emotionale Stimuli?

Zunge 4

Angemessen auf die Emotionen eines Sozialpartners reagieren zu können ist ein wichtiger Punkt in komplexen sozialen Interaktionen. Dass Hunde menschliche Emotionen unterscheiden können, konnte schon in mehreren Studien gezeigt werden. Es war aber aus wissenschaftlicher Sicht bisher nicht klar, inwieweit Hunde diese Emotionen tatsächlich verstehen und darauf reagieren. Eine aktuelle Studie gibt neue Einblicke.

Natalia Albuquerque und ihre Kollegen haben untersucht, wie Hunde auf Bilder und Tonaufnahmen von freundlichen und verärgerten Menschen sowie Artgenossen reagieren (siehe Foto).

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0376635717303005#fig0005

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0376635717303005#fig0005

Gleichzeitig wurde ihnen eine positive oder negative emotionale Lautäußerung vorgespielt. Eine genauere Beschreibung des Versuchsaufbaus findest du hier:

Hunde erkennen unsere Emotionen

 

Während des Versuchs wurde gemessen, wie oft sich die Testhunde über die Lippen leckten. Lippenlecken wird als Indikator für eine kurzzeitige (akute) Stressreaktion bewertet. Diese Verhaltensweise wurde schon in verschiedenen Studien als ein Maß für die Bewertung des Stresszustandes des Hundes genutzt. Darüber hinaus kann es auch eine kommunikative Funktion erfüllen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Hunde öfter züngelten, wenn sie das Bild mit dem negativen Gesichtsausdruck betrachteten. Zudem leckten sich die Hunde häufiger die Lippen, wenn sie die Bilder von menschlichen Gesichtern anschauten. Dabei spielte es interessanterweise keine Rolle, welche zusätzliche Lautäußerung dabei eingespielt wurde. Das deutet daraufhin, dass das Lippenlecken in diesem Kontext nicht einfach nur eine allgemeine Reaktion auf Stressreize ist, sondern möglicherweise eine spezifische Antwort auf die Wahrnehmung des negativen Gesichtsausdruckes.

Insgesamt liefern die Resultate Hinweise darauf, dass Hunde ein funktionales Verständnis von menschlichen Gesichtsausdrücken haben und angemessen auf die wahrgenommene Emotion reagieren können.


Referenz:

Albuquerque et al. 2018, Mouth-licking by dogs as a response to emotional stimuli, Behavioural Processes, Volume 146, January 2018, Pages 42-45.

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