Rasse gleich Klasse? Krankheiten bei Rassehunden

Das Aussehen des Hundes ist sehr wichtig im Züchterwesen. Es wird viel Wert auf „typvollen“ Körperbau, Fellbeschaffenheit und –farbe, Kopfform usw. gelegt.

Hunde, die dem Rassestandard am besten entsprechen, werden auf Ausstellungen prämiert und zur Weiterzucht verwendet. Durch die schrittweise Annäherung an das vermeintliche Ideal entsteht so ein immer verzerrteres Bild und einige Rassen sehen mittlerweile aus wie eine Karikatur ihrer selbst.

Auch wenn es in jüngster Zeit häufiger Bemühungen gibt, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wird leider oft immer noch mehr Wert auf das äußere Erscheinungsbild, als auf die Gesundheit einer Rasse gelegt. So leiden viele Zuchtlinien unter rassetypischen Krankheiten, die Wohlbefinden und Gesundheit des Hundes einschränken können.

 

anti botox brigade

 

 In einer großangelegten Untersuchung, haben Wissenschaftler vom Royal Veterinary College in Großbritannien alle verfügbaren Informationen zu den rassebedingten Krankheiten der 50 beliebtesten Hunderassen in Großbritannien zusammengetragen und ausgewertet.

Die Autoren haben sich dabei auf Krankheiten fokussiert, die sowohl direkt aus der Selektion auf eine Rasseeigenschaft resultieren, als auch auf angeborene Krankheiten, die durch ein Rassemerkmal verschlimmert werden. Jede der 50 untersuchten Rassen hat dabei mindestens eine Veranlagung für eine Krankheit gezeigt und insgesamt wurden 84 Krankheiten gefunden, die auf den Rassestandard zurückzuführen sind.

Dabei steht die Anzahl der Veranlagungen für bestimmte Krankheiten im klaren Zusammenhang mit der Beliebtheit der Rasse in den letzten 10 Jahren.

Wenig überraschend ist, dass kurzköpfige Hunde (z.B. Mops und Französische Bulldogge) mehr Atemwegserkrankungen haben als Hunde mit längeren Schnauzen.

 

Pug Profile Bailey Puggins

 

Außerdem wurden Zusammenhänge zwischen dem Gewicht und der Größe von Rassen mit bestimmten Störungen gefunden. So haben größere Rassen häufiger Herz- und Gefäß – sowie Magen- und Darmerkrankungen und mehr Krankheiten die Haut und den Muskel-Skelett-Apparat betreffend. Leichtere, kleinere Rassen hingegen leiden öfter unter Störungen, die mit der Atmung oder Urogenitalsystem assoziiert sind sowie unter Nerven- und Hormonstörungen. Große Rassen haben aufgrund ihrer Körpergröße und des rasanten Wachstums eine hohe Anfälligkeit für Ellbogen- und Hüftdysplasie. Kleine Rassen hingegen leiden vermehrt unter Schulterdysplasie und Kniescheibenproblemen.

 

Eine verringerte Schädelgröße bei kleinen Hunderassen kann neurologische Störungen hervorrufen. Besonders die sogenannte Chiari-like malformation beim Cavalier King Charles Spaniel, die durch eine Missbildung der Schädels hervorgerufen wird, ruft massive neurologische Störungen hervor und ist äußerst schmerzvoll.

 

Hunde mit heraustretenden oder tief liegenden Augen sind besonders anfällig für Augenirritationen und -vereiterungen. Obwohl diese Störungen nicht besonders beeinträchtigend sind, sind sie aufgrund des sehr häufigen Auftretens in bestimmten Rassen von Bedeutung.

 

Smokin basset

 

Weiße Hunde und die -in den letzten Jahren sehr in Mode gekommenen- Hunde mit Merle-Faktor (reinerbig) haben eine höhere Wahrscheinlichkeit taub zu sein und an bestimmten Augenerkrankungen zu leiden. Diese Verpaarungen sind in Deutschland verboten.

 

Dotties eyes

 

Das wohl auffälligste Rassemerkmal des Rhodesian Ridgeback, der „Ridge“ (Haarstreifen, der in entgegengesetzte Richtung wächst), ist eigentlich eine milde Form der Spina bifida (offener Rücken), die ernsthafte Komplikationen bis hin zur Lähmung hervorrufen kann. Wenn in Zukunft nur Hunde verpaart würden, die den „Ridge“ nicht ausprägen, könnte diese Krankheit ausgelöscht werden. Allerdings geht auch hier das Erscheinungsbild vor die Gesundheit der Tiere.

 

Badly done by

 

Der Rassestandard wird allerdings auch anderen Rassen zum Verhängnis. Obwohl zum Beispiel Dalmatiner mit sogenannten „Platten“ (also größere Farbflächen, die von Geburt an zu sehen sind) deutlich weniger häufig taub sind, werden diese Platten im Rassestandard nicht geduldet und entsprechend die Tiere deswegen nicht zur Zucht zugelassen (wobei das in Deutschland wohl seit Neuestem geändert wurde). Ähnlich verhält es sich beim Mops, bei dem eine gekringelte Rute im Standard sehr erwünscht ist (je gekringelter, desto besser). Obwohl die gekringelte Rute Spina bifida  und sogenannte Keilwirbel  verursachen kann.

 

A tale of a tail with a twist at the end..

 

Ich persönlich finde sehr erstaunlich, dass alle diese Krankheiten ausschließlich auf Schönheitsfaktoren zurückzuführen sind. Also es gibt keinen objektiven Grund für bunt getupfte Hunde, Ridges beim Ridgeback oder doppelt gekringelte Schwänze beim Mops (und das sind nur einige Beispiele). Das alles wird nur veranstaltet, um einem künstlich geschaffenen Schönheitsideal zu entsprechen. Eventuell sollte sich der Mensch hier mal überlegen, wie weit er in diesem Schönheitswahn gehen will und wie viel Gefallen er dem Hund damit tut.

 

FAZIT: Wenn es schon ein Rassehund vom Züchter sein muss, sollte man sich vor dem Kauf ausführlich erkundigen. Natürlich gibt es seriöse Züchter, die auch die (längerfristige) Gesundheit der Tiere bzw. der Rasse im Auge haben. Da verschiedene Zuchtverbände verschieden Vorschriften haben, die zudem unterschiedlich streng durchgesetzt werden, benötigt es schon ein wenig Recherche, um einen wirklich guten Züchter zu finden. Genau hinsehen sollte man vor allem bei sogenannten Hobbyzüchtern, die keinem Verband angehören – sicherlich gibt es auch unter ihnen verantwortungsbewusste Ausnahmen. Da diese allerdings nicht durch einen Dachverband kontrolliert werden, ist es oft schwer einzuschätzen, wie viel Fachwissen vorhanden ist.

 

Von Anzeigen auf Ebay Kleinanzeigen oder ähnlichen Portalen sollte man komplett die Finger lassen. Hier ist es für den Käufer schwer nachzuvollziehen, woher die Hunde stammen und oft werden hier Welpen angeboten, die unter fragwürdigen Bedingungen vermehrt werden.

 

Wer das Züchterwesen nicht unterstützen möchte, aber trotzdem nicht auf die Anschaffung eines reinrassigen Hundes verzichten will, sollte sich auch in den zahlreichen Tierschutzvereinen umschauen. Dort findet sich eine Vielzahl von Rassehunden, die auf ein neues Zuhause warten. Es sogar eine Vielzahl spezialisierter Vereine, die sich auf die Vermittlung einer bestimmten Rasse fokussiert haben.

 

Referenz:

Asher, L., Diesel, G., Summers, J. F., McGreevy, P. D., & Collins, L. M. (2009). Inherited defects in pedigree dogs. Part 1: Disorders related to breed standards. The Veterinary Journal182(3), 402-411.

 

Bildnachweis:

Shar Pei: „anti botox brigade“ von emdot/Flickr unter CC

Mops Profil: „Pug Profile Bailey Puggins“ von DaPuglet/ Flickr unter CC

Basset: „Smoking basset“ von Jelly Dude/Flickr unter CC

Australian Shepherd: „Dotties eyes“ von Stephen Routh/Flickr unter CC

Rhodesian Ridgeback: „Badly Done By“ von Brian Burger/Flickr unter CC

Mops Schwanz: „A tale of a tail with a twist at the end..“ von geraldbrazell/Flickr unter CC

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18 Kommentare

  1. „Von Anzeigen auf Ebay Kleinanzeigen oder ähnlichen Portalen sollte man komplett die Finger lassen.“

    Selbstverständlich sollte man sich auf diesem Weg keinen Rassewelpen anschaffen. Es komplett schlecht zu reden, finde ich allerdings auch nicht richtig – für Privatpersonen, die ihrem Hund den Weg ins Tierheim ersparen möchten, ist es eine gute Möglichkeit, ein neues Zuhause zu finden. Und man selbst kann sich ein Bild vom bisherigen Besitzer und den Lebensumständen machen und viel über den Hund erfragen. Auch Rassehunde suchen im Erwachsenenalter leider teilweise ein neues Zuhause :-)

  2. Gibt es übrigens das referenzierte Dokument auch irgendwo in einer kostenlosen Version zu lesen? 30 Piepen sind mir dann doch zu teuer um da mal drinne rum zu stöbern.

  3. Ich will ja nicht die Verantwortung der Käufer kleinreden. Andererseits bezahlt der geneigte Käufer einen nicht unerheblichen Betrag und erwartet Fachwissen und ebenfalls ein hohes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Rasse in Bezug auf Gesundheit und Sozialisation.
    Hier steht der simple Verbraucher einer großen Lobby gegenüber deren Wirkweise er gar nicht durchschauen kann. Und wenn, dann meist wenn es eben zu spät ist. Wenn man einen Hund aus Polen holt, kauft man die Probleme eben mit. Da hätte ich wenig Mitleid wenn nicht die meisten nur aus Mitleid den Hund gekauft hätten. Aber richtig sauer wird man bei Vermehrern die sich Züchter nennen und auch viel Energie darauf verwenden diesen Eindruck zu erwecken. Die sind nicht billiger, lügen aber einen die Hucke voll was die Gesundheit der Eltern betrifft. Oder erklären nochalant, das wäre doch kein Problem, nur Hysterie.

    • Hallo Pastis,

      da stimme ich dir absolut zu. Es ist leider oft nicht offensichtlich, wie „gut“ die „Züchter“ wirklich sind. Ich habe auch schon erlebt, dass Welpen in einem kahlen alten Stall mit sehr wenig menschlichen Kontakt aufgezogen werden (natürlich mehrere unterschiedliche Rassen) und für einen Tag ins Haus geholt werden, wenn die Interessenten kommen, um eine „liebevolle, häusliche“ Aufzucht vorzutäuschen. In so einem Fall ist es für den Käufer extrem schwierig zu erkennen, wie die Realität tatsächlich aussieht.
      Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass zukünftig zumindest ein paar Käufer mehr darüber nachdenken und besser recherchieren, woher ihr Hund kommt :).

    • Ganz ehrlich ich bin nicht unbedingt geneigt dem Käufer die Schuld zu geben. Verpaaren tun Züchter. Die haben die Verantwortung für das Produkt was raus kommt.
      Schau die Bullis und Möpse an … da wissen viele Käufer gar nicht was wegen der Kurzschnauzigkeit auf sie zu kommt. Die Schönheitsideale werden nicht von den Käufern sondern von Richtern bestimmt und die Richter sind oft selbst Züchter und die sind auch wieder mit anderen finanziell verbundelt. Wenn öfter mal gesagt werden würde „Nope so das ist zu kurz für die Schnauze“ oder die Verbände den Züchtern auch mal paar körperliche Prüfungen für die Hunde vorschreiben würden (also z.B. Vater und Mutter Bully müssen im Alter von so und so in einer bestimmten Zeit ein Kilometer geschafft haben ohne blau anzulaufen) wäre das schon mal ein Fortschritt.
      Der Käufer ist mit zu wenig Expertise ausgestattet abzuschätzen was irgend eine Ausprägung eines Schönheitsideals eigentlich hintenraus bedeutet. Dem Käufer wäre sicherlich ein gesunder und langlebiger Hund lieber als Falte hier und Falte da.
      Die 100%ige Verantwortung liegt beim Züchter mMn. (sogar doppelt denn gute Zuchthunde werfen auch bei Vermehrern gesunde Tiere). Es lohnt sich da aber nicht groß aufzuregen – ich vermute das wird sich nicht ändern.

      • Ich denke auch, dass das „Züchterwesen“ und die absurden Schönheitsrichtlinien den größten Anteil an der Misere haben. Ich würde aber die Käufer nicht von „Mitschuld“ freisprechen. Ich finde, dass sich viele Leute generell noch viel zu wenig Gedanken darüber machen, wo der Welpe her kommt, welche Probleme bestimmte Rassen haben könnten usw.
        Aber ich versuche da immer etwas optimistisch zu bleiben – man darf die Hoffnung nicht aufgeben, vielleicht fruchtet ja die Aufklärung irgendwann 😉

        • Ja aber schauen wir z.B. den Aspekt „Wesen“ an. Allein, dass ein Hund ein gelassenes Wesen hat und eine hohe Frusttolleranz haben kann wissen doch die meisten überhaupt nicht – woher auch. Sowas merkt man erst wenn man den Hunden mal etwas ernsthafter irgendwelche Tasks bei bringen möchte (Sitz, Platz mal ausgenommen). Bei einem Rückruf oder beim Fusslaufen fangen die Probleme oft an. Die Leute haben keinen anständigen Rückruf und Fuss laufen können die Hunde oft auch nicht. Dann können die das eben nicht und das Leben geht weiter. Kann man es Leuten verübeln die 8 Stunden auf Arbeit und 2 Kinder haben wenn der Labbi dann doch mal etwas überdreht beim Hundekontakt (ja das Thema ist gerade bei mir noch etwas warm)?
          Wer aber Züchtet weiß um das Wesen und die Gesundheit. Wer ein Produkt erzeugt (und so hart das klingt – Hunde vom Züchter sind auch Produkte) muss sich um gute Qualität scheren. Wer ein Auto baut muss auch dafür sorgen, dass auch in Grenzsituationen die Räder nicht abgehen. So ist das mit Hunden.
          Ich bin kein Freund von „der Markt wirds regeln“ – das funktioniert nicht … das sieht man leider nicht nur bei Hunden. Der Markt regelt nur eins – das auch die schlechten Züchter haufen Kohle für suboptimale Verpaarungen bekommen.

          Andererseits … gerade solche Gesundheitsprobleme bei kurzschnauzigen Rassen sollten eigentlich bis zur letzten Ecke sich durchgesprochen haben.

          Ist leider kein leichtes Thema.

    • mMn gibt es noch einen Faktor der gut zu Krankheiten bei trägt … die Sturköpfigkeit der ganzen Hundezuchtszene. Mir sind nur die Hounds (Schlitten und Jagdhounds) und x-herder bekannt, wo auch mal rassefremdes Genmaterial eingekreuzt werden kann.
      Bei anderen Haustieren ist das kein Thema … bei Hunden wird fein in Linie gezogen und man wundert sich warum der Genpool immer kleiner wird und Kranheiten hervor treten.
      Zumal es sicherlich auch nicht so ein großes Problem ist, mal was rassefremdes einzukreuzen und dann die nachgehenden Generationen auf rassetypische Vorgaben wieder zu selektieren. Das haben sie z.B. bei den Low-Urat Dalmis gemacht … soweit ich im Bilde bin hat das aber einen riesen Affort gegeben. Dann durfe das nur einer machne (oder hat es einfach gemacht und wurde dann nachträglich anerkannt). Die Hunde sind nach AFAIR 2 Generationen einfach wieder normale Dalmis.
      Sowas wird meines Wissens viel zu wenig gemacht und bei denen die es außerhalb der Verbände machen ist man sich immer nicht sicher ob die das jetzt für die Kohle und den Fame machen oder weil es ihnen wirklich darum geht die Gesundheit ihrer Hunde zu verbessern.

  4. Ich halte die Aussage, dass die Falten aus irgendeinem Grund gebraucht würden für eine Ausrede um ein krankhaftes Schönheitsideal schönzureden.

  5. Es stimmt nicht ganz, dass all diese Krankheiten ausschließlich auf Schönheitsfaktoren zurückzuführen sind. Ich kenne mich mit vielen Ursprüngen von Rassen wie dem Ridgeback oder dem Dalmatiner nicht aus, aber zum Beispiel die Französische Bulldogge wurde zwar nie für Hundekämpfe gezüchtet, aber Hunde, aus deren Kreuzung die Rasse entstanden ist schon. Und von diesen haben sie eben ihren brachycephalen Schädel. Über den Sinn dieses Schädels und in diesem Fall den daraus resultierenden Hautfalten im Gesicht sind sich Quellen nicht ganz einig. Die einen sagen, die Falten diesen dazu, Blut von Verletzungen (eigenen oder denen des gegners) von den Augen wegzutransportieren, die anderen sagen, die dienen dazu, dass sich gegnerische Hunde eben in den Hautlappen verbeißen, und so weniger Schaden verursachen. Außerdem sollen sie sich mit dem kürzeren, aberd afür im Verhältnis breiteren Maul besser vestbeißen. Das ganze hat also tatsächlich in diesem Fall einen (unschönen) praktischen Hintergrund und keinen ästhetischen.

    Meiner Meinung nach sind viele Krankheiten aber nicht vom außschließlich vom Rassestandart verursacht, sondern auch von den schlichtweg viel zu lockeren Zuchtvorgaben. Denn es gibt sie – die gesunde Französische Bulldogge, nur eben viel zu selten, weil munter weier mit kranken Hunden gezüchtet wird. Die Zuchtbestimmungen des FCI besagen zum Beispiel, dass mit Bulldoggen mit bis zu 3 Keilwirbeln gezüchtet werden darf, sogar mit 6 (!) wenn mit einem keilwirbelfreien Hund verpaart wird. Des weiteren darf eine Bulldogge in der Zucht Patella Luxation des ersten und zweiten Grades haben. Und, ob eine Bulldogge wirklich freiatmend ist, kann man eigentlich nur ab einem Alter von 3 Jahren sagen, da sie bis zu 3 Jahren in die Breite gehen und sich somit die Schädelform und auch die Atemwege noch verändren. Die Zuchttauglichkeitsprüfung darf aber schon mit einem Jahr gemacht werden und die Atmung ist, meines Wissens nach, auch nicht wirklich Bestandteil der Prüfung. Und es bringt auch nicht viel, wenn auf Keilwirbel, Patella, Herzerkrankungen etc. untersucht wird, Erkrankungen dann aber bis zu einem bestimmten Grad trotzdem zugelassen werden. :(

    • Hallo Monika,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast absolut Recht, dass es einen „praktischen“ Grund für die Kurzköpfigkeit gibt. Soweit ich weiß gehen viele der kurzköpfigen Rassen auf den „Bullenbeißer“ zurück (http://de.wikipedia.org/wiki/Bullenbeißer). Allerdings war es bei den Vorfahren dieser Rassen längst nicht so krass ausgeprägt, wie es heute teilweise ist – und dass ist ja das Kritische. Immer näher ans „Ideal“.
      Und ich gebe dir auch vollkommen Recht bei den teilweise völlig absurden Zuchtbestimmungen. Da braucht man sich nicht wundern… Ich frage mich dann vor allem, wie es sein kann, dass dieser Missstand so ignoriert wird? Obwohl es ja nun schon seit Jahren bekannt ist.

      • Liebe Marie,
        nicht die Zuchtbestimmungen sind absurd – denn die versuchen eigentlich immer, Übertreibungen zu vermeiden-, sondern das, was die Züchter daraus machen: Die Zuchtbestimmungen sind häufig zu wenig streng, so dass Richter und Züchter zu viel Raum für Übertreibungen haben.
        Manchmal muss man sich bei den Rassevereinen erkundigen, warum die Zucht mit bestimmten Krankheitsbildern erlaubt ist. Bei den Weimaranern war vor 20 Jahren erlaubt, A-Hüften mit C-Hüften zu verpaaren, weil es so wenige A- und B-Hüften gab, dass man ansonsten die Zucht der Weimaraner hätte aufgeben müssen. Kaum gab es genug gute Hüften, durfte man nur noch mit A- und B-Hüften züchten. Mittlerweile sind Weimaraner aus dem VDH HD-frei. Ebenso bei den Englischen Bulldoggen, deren Verein über Jahrzehnte die Zucht derartig ad absurdum geführt und vorsätzlich gefälschte HD-öntgenuntersuchungen eingereicht und gelogen und betrogen hat, dass der VDH die Zucht dem Verein weg- und selbst übernommen hat. Und nun gibt es praktisch keine Würfe mehr, denn es gibt überhaupt keine Englischen Bulldoggen mehr mit A,B oder C-Hüften.
        Und vielleicht ist das auch der Grund, warum man bei den Französischen Bulldoggen mit einer bestimmten Anzahl von Keilwirbeln züchten darf – möglicherweise haben die Hunde aufgrund ihrer Kompaktheit kaum Probleme damit, und wenn man mit einem bestimmten Grad Keilwirbel-Problematik mit 1A-Wirbeln vepaart, kommt man der Gesundzüchtung auf diese Weise entgegen.
        Allerdings stimmen nach meinem Dafürhalten viele dieser angeblichen Korrelierungen nicht: Denn nicht der Mops mit seiner doppelt gerollten Rute leidet an Keilwirbeln, sondern die Französische Bulldogge. Wenn mans ich mit „Dalmatiner in Not“ unterhält, sind es vor allem die Hunde mit sehr wenigen Flecken, die unter Taubheit leiden, und momentan haben wir einen Dalmatiner mit großen Platten Und ganz schwarzen Ohren) in der Vermittlung, der stocktaub ist. Die Zuchtvereine bestrafen Merle x merle -Verpaarungen hart; derlei kommt nur bei „wilden“ Züchtern vor, den von Ihnen beschriebenen Ebay-Vermehrern. Und der Rhodesian Ridgeback ist eine relativ alte Rasse, die es nie so weit überlebt hätte, Wender „offene Rücken“ wirklich ein Problem wäre. In verschiedenen afrikanischen Ländern sind weitere Populationen mit dieser Besonderheit zu finden.In Namibia der „Kaokaland Jagdhund“, bei Zulustämmen der „Isiqha“, bei Bantu und Hottentotten die „Nguni“ Jagdhunde.
        Zucht ist eine sehr diffizile Angelegenheit. Die meisten Züchter sind keine Kriminellen, sondern Idioten, die es einfach nicht besser wissen. Und dementsprechend hat der Welpenkäufer also die Verantwortung, einen gesunden Hund zu kaufen. Viele der sichtbar kranken Rassen auf der Straße kommen schon lange nicht mehr aus den guten Verbänden – nur noch 30% aller Hunde auf der Straße stammen aus seriösen Zuchten, der Rest sind Billigware aus irgendwelchen entsetzlichen Hinterhofzuchten. Da kann man dann wirklich nur sagen: Typischer Fall von selber Schuld – auf Kosten der Tiere.

        • Hallo Katharina,
          aber wenn die Zuchtbestimmungen so einen Spielraum zulassen, dann muss das eben geändert werden. Und wenn eben die „übertriebenen“ Tiere ausgezeichnet werden, wird da ja auch nicht besser werden.
          Keilwirbel kommen bei allen Rassen vor, die einen korkenzieherartigen Schwanz haben, u.a. eben bei Mops und Französischer Bulldogge. Ich denke auch, dass die betroffenen Hunde eine Zuchterlaubnis bekommen, weil es nicht mehr genug gesunde Tiere gibt. Aber wenn man nicht mehr in der Lage ist, eine gesunde Population einer Rasse aufrecht zu erhalten, sollte man sich meiner Meinung nach Gedanken machen, ob das mit dieser Rasse überhaupt noch Sinn macht.
          Ich habe mir keines der Beispiele im Artikel ausgedacht (weil ich tatsächlich selbst zu wenig Ahnung davon habe), sondern sie stehen alle so und mit Quellen belegt in der zitierten Referenz – ich habe keinen Grund daran zu zweifeln (die kann ich dir auch gerne schicken, wenn du magst).

          Der „offene Rücken“ kommt bei den Ridgebacks meist als „Soina bifida occulta“ vor:
          „Occulta bedeutet „verborgen, nicht sichtbar“. Diese Form der Spina bifida ist dadurch gekennzeichnet, dass sich nur ein zweigespaltener Wirbelbogen findet, ohne dass das Rückenmark mit seinen Rückenmarkshäuten (Meningen) beteiligt ist. Sie ist darum nicht von außen sichtbar…. In der Regel hat sie medizinisch keine besondere Bedeutung; eine Behandlung ist nicht nötig.“ (Wikipedia „Spina bifida“). Allerdings stellt sie ein Prädisposition für Dermalsinus dar, der im schlimmsten Fall zur Lähmung führen kann. Laut Referenz sind davon 5-6% der Rasse betroffen (zumindest in der britischen Population). Dafür, dass es einfach nur ein optisches Merkmal ist, dessen Weglassung die Hunde nicht verändern würde – zumal man hier sicherlich keinen Hund für die Löwenjagd benötigt.

          Ich stimme dir absolut zu, dass man vom Hundekauf auf Ebay und Co. die Finger lassen sollte. Und ich bin auch absolut der Meinung, dass sich die Käufer vorher mehr informieren sollten bzw. besser überlegen, was sie denn wirklich wollen. Und ich hoffe, dass mit diesem Artikel ein paar Leute mehr darüber nachdenken.
          Meiner Meinung nach braucht keine Privatperson einen Rassehund (und wenn, dann gibts den auch im Tierschutz) – aber das ist eben meine persönliche Meinung.

          • Was passiert aber bei engeren Zuchtbestimmungen? Genau – die genetische Bandbreite nimmt ab und was bedeutet das? Steigende Inzucht was wiederum zu vielen Krankheiten führt (nicht umsonst ist Allergie mittlerweile ein großes Thema).
            Wenn Zuchtbestimmungen enger gefasst werden sollten dann in der Richtung dass Rüden nur 10 Würfe machen dürfen, keine künstl. Besamungen gemacht werden dürfen, keine Inzuchtverpaarungen gemacht werden dürfen etc (wobei das auch ein Punkt ist über den trefflich gestritten werden kann).
            Hauptproblem ist das die Hunde nicht gebraucht werden – also keine Arbeitstiere sind und somit die Anforderungen an Wesen und Gesundheit zweit oder drittranging sind.

    • Heutzutage wird der brachycephale Schädelder Franz. Bulldogen aber aufgrund ästhetischer Vorgaben weitergezüchtet, denn praktische Erwägungen hinsichtlich von Hundekämpen fallen (hoffentlich doch!) aus! Die Geschichte einer Rasse ist das eine, die Gegenwart und Zukunft das andere …

      Liebe Grüße
      Severine, Luna und der Halunke

  6. Lässt sich denn daraus schließen, dass Mischlinge gesünder sind? Oder erben sie die Krankheiten ihrer Rasse-Eltern?

    • Das kann man nicht so sagen. Wenn die Elterntiere beide rassetypische Krankheiten haben, werden die natürlich auch (je nach Erblichkeit) an den Nachwuchs weitergegeben. Also ein großer Mischlingshund, dessen Eltern unter HD leiden, wird das mit großer Wahrscheinlichkeit auch haben. Aber ein ausführlicher Beitrag zum Thema „Gesündere Mischlinge“ ist in Arbeit 😉

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