Möpse riechen besser als Schäferhunde

Mops

 

Aus irgendeinem Grund wird immer angenommen, dass bestimmte Rassen ein besseres Geruchsvermögen haben als andere. So werden zum Beispiel üblicherweise Deutsche Schäferhunde, Labradore oder verschiedene Jagdhundrassen als Spürhunde eingesetzt, während selten Gesellschaftshunde oder kurzköpfige Hunde, wie zum Beispiel der Mops, für solche Arbeiten eingesetzt werden.

Erstaunlicherweise gibt es bis jetzt sehr wenige wissenschaftlichen Untersuchungen, die das Geruchsvermögen verschiedener Rassen vergleichen. Deshalb haben Nathaniel Hall und Kollegen von der University of Florida die Ausprägung des Geruchssinns bei drei unterschiedlichen Rassen untersucht: Deutscher Schäferhund, Mops und Greyhound.

Der Deutsche Schäferhund wird sehr häufig als Spürhund eingesetzt und hat vermutlich einen guten Geruchssinn. Der Mops hingegen hat aufgrund der verkürzten Schnauze und der daraus resultierenden Drehung des Riechkolbens vermutlich einen nicht sehr gut ausgebildeten Geruchssinn. Die Greyhounds wurden ausgewählt, da sie als Sichtjäger eingestuft werden und demnach vermutlich Gerüche nicht so schnell lernen. Die Wissenschaftler gingen also davon aus, dass die Deutschen Schäferhunde die beiden anderen Rassegruppen um Längen schlagen werden.

 

Der Versuchsaufbau

 

In der Trainingsphase wurde jeweils ein mit Anis-Extrakt getränkten Baumwollpad und ein Pad mit Mineralöl getränkt in zwei Behältern mit Sägespäne vergraben. Den Hunden wurde nun zunächst beigebracht, den Behälter anzuzeigen, in dem sich das Anis-Extrakt befindet. Um diese Aufgabe zu festigen, wurden insgesamt 120 dieser Unterscheidungs-Durchgänge durchgeführt (auf 4 Tage verteilt). Wählten sie den richtigen Behälter aus, erhielten sie ein Futterstück. Falls die Hunde mehr als zwei Durchgänge hintereinander falsch lagen, wurde ein Futterstück sichtbar auf den richtigen Behälter gelegt, um die Motivation des Hundes zu testen. Falls der Hund dieses frei verfügbare Futterstück nicht innerhalb von 2 Minuten nahm, wurde das Training aufgrund fehlender Motivation für diesen Tag abgebrochen. Bei 9 der 10 Greyhounds mussten die Trainingsessions an zwei aufeinanderfolgenden Tagen aufgrund fehlender Motivation abgebrochen werden. Diese Hunde erfüllten somit nicht das Motivations-Kriterium, weshalb diese Rassegruppe von der Analyse ausgeschlossen wurde. Deswegen können leider keine Rückschlüsse auf die Geruchsleistung dieser Rasse gezogen werden.

Die verbliebenen Hunde (10 Deutsche Schäferhunde und 10 Möpse) wurden nun mit systematisch schwächer konzentrierten Duftstoffen getestet (100%-, 10%- und 1%-Anislösung). Nun sollten die Hunde in 45 Durchgängen jeweils die Anislösung finden (15 Durchgänge pro Verdünnung).

 

Schäferhund

Deutsche Schäferhunde werden häufig als Spürhunde eingesetzt

 

 

Möpse übertreffen Schäferhunde deutlich!

 

Entgegen der ursprünglichen Vermutung zeigte sich bei dem Vergleich der Leistung zwischen den Möpsen und den Schäferhunden, dass die Möpse den Schäferhunden weit überlegen waren. Schon in den Trainings-Durchgängen wählten die Möpse deutlich schneller und häufiger den richtigen Behälter als die Schäferhunde. Außerdem erreichten 9 der 10 Möpse während der Trainingsdurchgänge eine beachtliche Quote von 83% richtiger Entscheidungen, während nur 3 der 10 Schäferhunde diese hohe Quote erreichten.

Die bessere Geruchsleistung der Möpse wurde dann auch in den Test-Durchgängen bestätigt. Sie übertrafen die Schäferhunde in allen drei Verdünnungsstufen deutlich. Zudem behielten die 9 Möpse, die schon im Training eine besonders starke Leistung gezeigt haben, diese auch bei der 10%-Anislösung bei, während nur einer der 3 besten Schäferhunde diese hohe Quote schaffte. Keiner der Schäferhunde aber immerhin 4 Möpse konnten dieses hohe Leistungslevel auch bei der 1%-Anislösung halten.

 

Gibt es bald Spürmöpse?

 

Die Ergebnisse zeigen also, dass die Möpse in dieser Studie eine einfache Unterscheidung zweier Gerüche schneller lernen und zudem auch höhere Erfolgsquoten bei niedriger dosierten Duftstoffen zeigen als die getesteten Schäferhunde. Dieses Ergebnis ist äußerst überraschend, da man eher davon ausgegangen ist, dass Möpse aufgrund der anatomischen Besonderheiten ein schlechtes Geruchsvermögen besitzen.

Die Resultate würden nahelegen, dass Möpse geeignetere Spürhunde wären als Schäferhunde – irgendwie eine lustige Vorstellung. Allerdings sind sie vermutlich aus anderen Gründen nicht für diese Arbeit geschaffen – zum Beispiel aufgrund fehlender Ausdauer. Nichtsdestotrotz scheint die Wahl einer geeigneten Rasse zur Nasenarbeit vor allem auf einem historischen Hintergrund zu beruhen, obwohl diese Rassen eventuell nicht den besten Geruchssinn aufweisen.

 


 

Referenz:

Hall, N., Glenn, K., Smith, D., & Wynne, C. (2015). Performance of Pugs, German Shepherds, and Greyhounds (Canis lupus familiaris) on an Odor-Discrimination Task. Journal of Comparative Psychology, http://dx.doi.org/10.1037/a0039271

(PDF)

 

Bildnachweis:

Mops: „Pug shot“ von  Jon Clegg/ Flickr unter CC

Schäferhund: „Check here too“ von Rukia13/Flickr unter CC

 

 

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8 Kommentare

  1. Da wurde eine Statistik erstellt, die in meinen Augen Nonsens ist oder etwas ganz anderes aussagen sollte. Ein ,mit einem Tropfen 100% Anisöl, getränktem Wattebausch , rieche ich sogar noch mit meiner Rauchernase. Für Hundenasen ist das eine Beleidigung. Anis wird in der Humanmedizin unter anderem auch gegen Atembeschwerden eingesetzt. Das wird auch der Grund sein, warum gerade Möpse daran ihre Freude hatten. Während es für Hunde mit guten und sehr gutem Geruchsinns eine Beleidigung ist und es ihnen warscheinlich stinkt und sie deshalb die Zusammenarbeit verweigern.

  2. Die Rasse Mops wird leider oft unterschätzt & das in vielerlei Bereichen. Möpse sind durchaus sehr gut zu motivieren ( egal ob über Futter oder Spiel) , sie lernen in der Regel genauso schnell & gut , wie andere Rassen oder Mixe. Wie bei jeder anderen Rasse , kommt es natürlich auf den einzelnen Rassevertreter drauf an, denn z.B. nicht jeder geborene Welpe einer Jagdhundrasse, ist automatisch dafür geeignet, auch später als Jagdhund zu fungieren.Das der Mops auch noch anderweitig einiges drauf hat, ausser als reiner Begleithund zu fungieren, durfte ich zur Freude, bei einigen meiner gezogenen Mopskinder, erfahren.Von bestandener Begleithundeprüfung, über bestandener Fährten-& Mantrailing-Prüfung bis hin zur sehr freudiger Teilnahme bei Obidience oder Agility, ist alles vertreten.Ich persönlich würde mich freuen, wenn der eine oder andere Mopsbesitzer sich dazu begeistern könnte, seinen Mops sinnvoll zu beschäftigen & in alle Bereiche des Hundesports mal reinschuppern würde, ob nicht das passende dabei ist, was Mops & seinem Menschen Spass & Freude bereitet.

  3. Ich fürchte dass das die Qualzucht weiter rechtfertigen soll bzw. die anderen gesundheitlichen Defizite wett machen.

    Diese armen Tiere die allein zur Freude der Menschen krank gezüchtet werden tun mir so leid und ich bin der Überzeugung dass diese und weitere Qualzuchten beendet gehören. Diese Augen, fehlende Schnauze usw bringen dem Hund nur Probleme.

    • Ich kann dir versichern, dass die Wissenschaftler nicht im Sinn hatten, irgendeine Qualzucht mit dieser Studie zu rechtfertigen. Im Gegenteil, sie haben die Möpse als Probanden ausgewählt, weil sie sich sicher waren, dass Möpse aufgrund ihrer Anatomie eben nicht so gut riechen können. Von den Ergebnissen waren sie dann ziemlich überrascht.
      Und was das Thema Qualzucht im Allgemeinen angeht, bin ich absolut deiner Meinung: http://hundeprofil.de/rasse-gleich-klasse/

  4. Mechthild Plümpe

    Einerseits überraschend, aber andererseits bestätigt es meine Annahme, dass Möpse schon immer unterschätzt wurden. Zu Unrecht, wie dieser Versuch beweist!
    Ich freue mich für diese Hunderasse 😉

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