Hunde rund um die Welt – Teil 2 – SPARCS2015

Weiter gehts mit dem zweiten Teil zum spannenden Thema “Hunde rund um die Welt”. In diesem Beitrag fasse ich den sehr interessanten Vortrag von Hal Herzog zusammen.

 

NYC-1115

© Marie Nitzschner

 

 

Was die neue Wissenschaft der Mensch-Tier-Interaktionen über unsere Beziehung zu Hunden aussagt

 

Harold Herzog ist Professor für Psychologie an der Western Carolina University. Er beschäftigt sich vor allem mit der Mensch-Tier-Beziehung und warum wir so unterschiedliche Einstellungen zu verschiedenen Tierarten haben. Er ist Verfasser des Buches “Some We love, Some We Hate, Some We Eat”.

 

In seinem Vortrag stellt Hal Herzog einige aktuelle Themen aus der Anthrozoologie vor. Dabei gibt er Antworten auf verschiedene Fragen wie „Wie gut sind Tiere für unsere Gesundheit?“, „Gibt es wirklich Persönlichkeitsunterschiede zwischen Hunde- und Katzenmenschen?“, „Was verursacht plötzliche Beliebtheit bestimmter Rassen?“.

 

Unterscheiden sich Hunde- und Katzenmenschen wirklich?

 

Herzog beginnt seinen Vortrag mit der Fragestellung, ob es charakterliche Unterschiede zwischen „Katzenmenschen“ und „Hundemenschen“ gibt. Dazu führt er Folgendes an: Es gibt zwar Studien, die Unterschiede zeigen würden, allerdings sind diese statistisch deutlich überbewertet. Die Schwankung innerhalb der „Hunde- und Katzenmenschen“ ist viel größer als der Unterschied zwischen ihnen – die statistischen Kennwerte erklären nur ungefähr 1% der Daten.

 

Folgen der Vermenschlichung?

 

Außerdem zeigt Hal Herzog in seinem Vortrag auf, dass Hunde immer mehr vermenschlicht werden – was nicht nur emotionale, sondern auch moralische Konsequenzen hat. So gaben bei einer Umfrage 40% der US-Amerikaner an, dass sie eher ihren Partner als ihren Hund verlassen würden. Außerdem gaben 40% der verheirateten Frauen an, von ihrem Hund mehr emotionalen Halt zu bekommen als von ihrem Mann oder Kind.

In einer anderen Studie sagte ein Großteil der Befragten aus, dass sie ein Menschenleben riskieren würden um das Leben ihres Hunde zu retten.

 

Pug love

 

Sind Hundehalter zufriedener und gesünder? 

 

Durch die Berichterstattung in den Medien erscheint es immer, als ob Hunde ausschließlich positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Allerdings ist das gar nicht so eindeutig, da andere Studien keine Unterschiede gefunden haben oder die Ergebnisse sogar zeigen, dass das Halten eines Haustieres negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit haben kann.

 

Form follows function?

 

Es ist nach wie vor nicht klar wann, wo und wie die Domestikation begann. Klar ist aber, dass der Mensch mittlerweile ein Tier geschaffen hat, dass in seinem Aussehen variabler ist als jedes andere Tier (mittlerweile gibt es über 400 Hunderassen auf der Welt – von denen allerdings nur wenige älter als 200 Jahre sind). Während die Hunde früher vor allem auf bestimmte Fähigkeiten selektiert wurden, geht es heutzutage immer mehr um Niedlichkeit und schönes Aussehen. Welpengesichter entsprechen oft dem Kindchenschema und immer mehr Rassen werden diesem Schema angepasst.

Übrigens werden nicht nur die Hunde immer niedlicher, sondern auch ihre Halter attraktiver durch sie: Frauen finden Männer mit Hunden ansprechender und sind eher bereit, ihnen ihre Telefonnummer zu geben.

 

Welchen Einfluss hat die Kultur?

 

Im Gegensatz zur westlichen Industrieländern gelten Hunde in vielen anderen Kulturen auf der Welt nicht als Haustiere sondern Nutztiere, in manchen Kulturen werden sie auch gegessen. Allerdings ist auch in der westlichen Welt Haltung eines Haustieres aus historischer Sicht nicht die Norm. Erst nach dem zweiten Weltkrieg begann die Haustierkultur aufzuleben, wie wir sie heute kennen. Ab dieser Zeit taucht auch das Wort „pet“ (Haustier) gehäuft in Büchern auf. Auch fängt ab diesen Zeitpunkt ein anderer Trend an: Während die Haltung von reinrassigen Hunden vor dem zweiten Weltkrieg der Oberschicht vorbehalten war, werden sie nun auch in der Mittelschicht immer beliebter.

Interessanterweise hängt die Beliebtheit einer bestimmten Rasse nicht damit zusammen, dass diese Rasse besonders gutes Verhalten zeigt. Und auch die Gesundheit einer Rasse ist kein Indikator für deren Beliebtheit – im Gegenteil: Beliebte Rassen haben mehr rassebedingte Krankheiten.

 

„ Wenn sie Bulldoggen-Besitzer sind, wird sie ihr Tierarzt lieben!“

 

In seinen Untersuchungen konnte Herzog zeigen, dass die Beliebtheit bestimmter Rassen nicht der Vernunft sondern spezifischen kulturellen Trends folgt – ähnlich wie Babynamen. Je schneller dabei eine Beliebheitskurve ansteigt, um so drastischer ebbt sie auch wieder ab. Als Beispiel nennt Herzog die Beliebtheit des Namens Jennifer, die ähnlich verläuft wie die Beliebtheitskurve des Irish Setters. Bleibt die Frage, wie viele Irish Setter wohl Jennifer hießen 😉

 

 Hündische Filmstars

 

Außerdem haben auch Filme, in denen ein Hund einer bestimmten Rasse mitspielt einen erheblichen Einfluss auf die Popularität dieser Rasse. Dabei gab es Mitte des 20sten Jahrhunderts den größten Effekt, der seitdem kontinuierlich abnimmt. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass es heute mehr Filme gibt, in denen Hunde verschiedener Rassen mitspielen und demnach die „Konkurrenz“ untereinander größer ist (bis 1940 war es weniger als ein Hundefilm pro Jahr, seit 2005 sind es mehr als 7 pro Jahr).

 

Seit Ende der 90er Jahre sinkt die Popularität von reinrassigen Hunden wieder und die Beliebtheit von Tierheimhunden steigt. Die Gründe hierfür liegen vermutlich in dem schlechten Gesundheitszustand vieler Rassen, der schlechten Publicity durch Vermehrerzuchtbetriebe aber auch in dem guten Gefühl einen Hund „gerettet“ zu haben.

 

Die Zusammenfassungen weiterer Vorträge findet ihr hier:

 

„Lernen und Gedächtnis“ – Teil 1: Über die Gesetze der Verknüpfung und mentale Zeitreise bei Tieren:
http://hundeprofil.de/lernen-und-gedaechtnis-zusammenfassung/

 

 

„Lernen und Gedächtnis“ – Teil 2: Über die Forschung zu individuellen Unterschieden bei Hunden und wie soziales Lernen in der Hund-Mensch-Interaktion funktioniert:
http://hundeprofil.de/sparcs2015-lernen-und-gedaechtnis-teil-2/

 

 

„Hunde rund um die Welt“- Teil 1: Über die Jagd mit Hunden im nicaraguanischen Regenwald und warum nicht jeder Streuner ein Zuhause sucht:
http://hundeprofil.de/hunde-rund-um-die-welt-teil-1-sparcs2015

 

„Stress bei Hunden“ – Teil 1: Die endokrinen Grundlagen von Stress und die Frage, ob Stress dumm macht:
http://hundeprofil.de/stress-bei-hunden-teil-1-sparcs2015/

 

„Stress bei Hunden“ – Teil 2: Über die Komplexität von Stresssignalen sowie verschiedene Stress-Reaktions-Muster und Stressbewältigungsstrategien:
http://hundeprofil.de/stress-bei-hunden-teil-2-sparcs2015/

 


 

Bildnachweise:

„Valentine Pug“ von DaPuglet/ Flickr unter CC

 

Share on FacebookTweet about this on TwitterGoogle+Email to someone

Ein Kommentar

  1. Pingback: KynoLogisch | Lernen und Gedächtnis – Teil 2 – SPARCS2015

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *